Unsere Millenium-Tour durch Westaustralien...




9. Tag:

Auch diese Nacht war wieder sehr kalt. Wir standen um 7:00 Uhr auf, konnten uns aber zu einem Frühstück im Freien überwinden. Nach dem Zusammenpacken haben wir noch ein paar Donuts gekauft, die Postkarten in den Briefkasten geworfen und sind dann in Richtung Highway gefahren. Unterwegs haben wir eine Menge Termitenhügel gesehen, später sogar noch ausgedehnte Buschfeuer. Am Nanutarra Roadhouse haben wir getankt und Mittag gegessen (Fish & Chips), dann sind wir vom Highway abgezweigt und in Richtung Karijini N.P. gefahren. Allmählich erhoben sich die ersten Ausläufer der Hamersley Ranges aus der Ebene und die Landschaft gestaltete sich abwechslungsreicher. Dennoch zog sich die Fahrt lang hin; wir erreichten den Abzweig nach Tom Price aber bereits am frühen Nachmittag, der Highway führte über Paraburdoo weiter, es gab aber eine kürzere Route über eine gute Gravelroad. Die fuhren wir weiter und beschlossen, noch zur Hamersley Gorge zu fahren, bevor wir uns um einen Campground kümmern. Die Straße war in recht gutem Zustand, ließ etwa 80 km/h zu, bis auf einige (nur zum Teil ausgeschilderte) heftige Dips und den einen oder anderen Floodway, teilweise sogar mit recht viel Wasser. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir die Hamersley Gorge und liefen den kurzen Weg zum Wasserfall hinunter. Es war ein wundervoller Anblick: die porösen Gesteinsschichten der tief in den Fels geschnittenen Schlucht im roten Licht der untergehenden Sonne. Auf der Rückfahrt mußten wir ziemlich aufpassen, da die Büsche am Straßenrand durch die tiefstehende Sonne sehr lange Schatten warfen und wir nicht jeden Dip in der Gravelroad rechtzeitig erkannten. Es wurde auch ziemlich schnell dunkel und immer wieder standen Känguruhs am Straßenrand, auf einmal standen wir sogar mitten in einer aufgeschreckten Rinderherde. Wir waren richtig erleichtert, als wir die Gravelroad geschafft hatten und wieder auf dem Highway nach Tom Price waren, obwohl auch hier einige Rinder am Straßenrand standen. Wir fuhren durch Tom Price hindurch zum Mt. Nameless Camp Park (A$ 18). Es war ziemlich kühl hier, so daß wir im Camper aßen und uns dann gleich schlafen legten.


10. Tag:

Um 7:30 Uhr war Aufstehen angesagt; die vielen Vögel auf den Zeltplatz hatten mit Ihrem Morgenkonzert mit zum Wecken beigetragen . Nach dem Frühstück fuhren wir nach Tom Price zum Tanken. Auch den Reifendruck haben wir endlich mal überprüft und gleich etwas Luft aufgefüllt; dann sind wir in den Karijini N.P. gefahren. Unterwegs haben wir noch einen der großen LKW bestaunt, die in den Eisenerzminen eingesetzt werden. Ein Besuch einer Mine war zum Wochenende leider nicht möglich. Am Mount Bruce sind wir vom Highway abgezweigt und auf der Gravel Road zum Oxers Lookout gefahren. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf den Kreuzungspunkt von Weano Gorge, Geoffrey Gorge, Hancock Gorge und Knox Gorge. Wir haben uns die Wanderwege und deren Beschreibung in der Karte angesehen und beschlossen, in die Weano Gorge zu wandern. Am Anfang gab es Stufen, bis man schließlich den Wasserlauf erreicht. Dann führt der Weg weiter in die Gorge hinein und wir mußten durch hüfthohes Wasser waten. Die Gorge wurde immer enger und am Ende führte ein Wasserfall in den Handrail Pool. Der Name kommt daher, weil man direkt am Wasserfall an einem kleinen Geländer, später dann an einem Seil mit einigen Knoten, bis hinab in den Pool steigen kann. Hier war es einfach idyllisch. Der Weg führte an der anderen Seite des Pools weiter durch die Gorge, wurde aber offensichtlich schwieriger, so daß wir uns aus Zeitgründen lieber zur Umkehr entschlossen. Als wir wieder oben waren, fuhren wir zum Geoffrey Gorge Lookout, von wo aus wir in die Gorge hineinwanderten. Diese war wieder ganz anders als die Weano Gorge; es war eine ziemlich waghalsige Kletterei, um bis hinunter zum Wasser zu kommen. Unterwegs trafen wir einen Mann, der uns erzählte, der Abstieg selbst sei nicht so schwierig, nur bis zum Wasserfall sei er nicht gekommen, weil man das letzte Stück schwimmen müsse. Als wir unten angekommen waren (wir fanden den Abstieg schon recht kompliziert), suchten wir eine Weile nach einer Möglichkeit, ohne Schwimmen zu müssen bis zum Wasserfall zu gelangen und mit Waten durch knietiefes Wasser und ein bißchen Klettern um die tiefsten Stellen herum gelangten wir auch zum unteren Pool. Wir genossen die Stille und Einsamkeit für eine Weile, bevor wir uns wieder an den Aufstieg machten. Wieder oben angekommen, fuhren wir zunächst zum Knox Gorge Lookout und wanderten anschließend noch in die Kalamina Gorge. Schließlich fuhren wir weiter in Richtung Dales Gorge, wo wir heute abend campen wollten. Unterwegs sahen wir ein Auto mit einem Platten und nahmen den Fahrer mit. Er erzählte uns, er sei Lehrer und wäre mit Freunden aus Karratha hier. Seine Bekannten seien zum Fortescue Camping Area gefahren, die wollte er nach einem Wagenheber fragen. Wir fuhren mit ihm zum Campground, der in mehreren Loops eine Vielzahl von Stellplätzen bietet, und suchten eine Schleife nach der anderen ab, bis wir seine Freunde gefunden hatten. Dann suchten wir uns selbst einen schönen Platz in der Europe Loop, gleich gegenüber einem BBQ-Area, in unmittelbarer Nähe des Beginns des Walking Tracks zum Circular Pool. Wir haben uns zum Abendessen ans BBQ-Area gesetzt, wo ein reger Betrieb herrschte. Zuerst nutzten vier junge Leute des Gasgrill, auf dem sie eine leckere Gemüsepfanne anrichteten, dann kam eine australische Familie und grillte leckere Steaks. Später kamen wir mit einem deutschen Lehrer ins Gespräch. Er erzählte uns, daß er und seine Frau für 2 1/2 Jahre in Australien gearbeitet haben und sie jetzt noch einmal quer durch das Land fahren, bevor sie wieder nach Deutschland zurückkehren. Er sagte uns auch, daß gegen 19:00 Uhr am Eingang zum Camping Area der Ranger einen Lichtbildervortrag halten würde; na das war doch mal eine tolle Abwechslung. Also genossen wir den Sonnenuntergang, setzten uns dann noch eine Weile in unseren Camper, um ein paar Postkarten zu schreiben, und gingen dann mit der Taschenlampe zu dem Vortrag. Es war wirklich sehr interessant, was der Ranger über die Fauna und Flora des Karijini N.P. erzählte, besonders gefielen uns die Bilder von Abschnitten der Gorges, wo man nicht mehr so ohne weiteres alleine hinkommt. Allmählich wurde es aber bitter kalt, so daß wir irgendwie auch froh waren, als der Vortrag zu Ende war und wir uns in unseren kuscheligen Schlafsack zurückziehen konnten. Die Nacht war klar und sehr kalt, aber so konnten wir einen phantastischen Sternenhimmel genießen, wie man ihn so schön in der Stadt niemals sehen würde.


11. Tag:

Wir sind gegen 7:30 Uhr aufgestanden, haben am BBQ-Area gefrühstückt und uns dann auf den Weg zum Circular Pool Lookout gemacht. Dort haben wir uns über die vorhandenen Walking Tracks informiert und beschlossen, die gesamte Runde durch die Dales Gorge zu wandern. Zuerst ging es über einen steilen Abstieg hinunter in die Gorge, dann sind wir zunächst nach links zum Circular Pool gewandert und haben dort ein erfrischendes Bad im eiskalten Wasser genommen. Danach liefen wir zurück und wanderten durch die Dales Gorge (mit mehrfachen Wasserdurch- und -überquerungen) zu den Fortescue Falls. Dort trafen wir das deutsche Lehrerpaar vom Vorabend, die uns noch den Weg zum Fern Pool erklärten. Dorthin liefen wir auch noch, bevor wir den Aufstieg aus der Gorge begannen und dann über den Callitris Track und den Gorge Rim Walk zurück zum Circular Pool Lookout und schließlich zum Campground kamen. Am Auto angekommen, nahmen wir einen kleinen Snack zum Mittag und verließen dann den Karijini N.P. in Richtung Great Northern Highway. Wir machten noch einen kleinen Abstecher zum Munjina Gorge Lookout und einen Halt am Auski Roadhouse, wo zwei riesige Roadtrains vor uns auf den Highway fuhren, die wir dann auf dem Weg nach Port Hedland überholen mußten. Da diese Kolosse auch mehr als 100 km/h fahren, war das gar nicht so einfach, dafür bekamen wir aber ein paar spektakuläre Szenen für unser Urlaubsvideo... Ursprünglich hatten wir geplant, einen Abstecher nach Marble Bar zu machen, aber es war schon ziemlich spät und wir wollten nicht wieder im Dunkeln fahren. Die vielen Känguruhs und Rinder vor zwei Tagen haben die Nachtfahrt zur Strapaze gemacht, und das wollten wir uns nicht wieder antun. Als wir schließlich Port Hedland erreichten, fuhren wir zunächst in die Wohnstadt South Hedland, um uns dort im Coles und im Liquerland für die nächsten Tage zu versorgen. Anschließend fuhren wir zum Big4 Cooke Point Holiday Park, wo wir diese Nacht verbrachten (A$ 18). Der Campingplatz war sehr ordentlich und hatte sicher die saubersten sanitären Anlagen bisher. Aber alles in allem wirkte er mit den asphaltierten Wegen und nur vereinzelt dazwischen gesetzten Bäumen (die tagsüber kaum Schatten spenden können) zu steril und unnatürlich, die letzte Nacht im Busch hatte uns einfach besser gefallen, auch wenn es da kein fließendes Wasser gab. Wir setzten uns mit frischem Salat und Brot zum Abendessen hinter den Camper und beobachteten die kilometerlangen Güterzüge, die vom Hafen in Richtung Pilbara Region fuhren. Dann nahmen wir noch eine heiße Dusche (hatten wir nach den zwei Tagen mit anstrengenden Wanderungen durch die Gorges auch nötig) und legten uns schlafen.


12. Tag:

Heute stand eine Mammutetappe auf dem Plan. Von Port Hedland bis Broome, ca. 600 km Highway und kaum eine Abwechslung. Wir sind nach dem Frühstück, so gegen 9:00 Uhr, aufgebrochen, haben nur einen kurzen Fotohalt in Port Hedland gemacht, denn es gab da außer Hafen, Roadtrains und Eisenbahn nicht allzuviel zu sehen. Es war eine eintönige Fahrt, links und rechts vom Highway nichts als Buschland. Daher kam uns ein Abstecher zum Eighty Mile Beach bei Wallal Downs ganz Recht. Aber auch hier haben wir nur kurz gestoppt und ein wenig die Angler am Strand und die lustigen Vögel in der Hecke vor unserem Buschie beobachtet. Dann sind wir bis zum Sandfire Roadhouse weitergefahren, wo wir zum Mittag Burger gegessen haben. Und weiter ging die Fahrt durch die eintönige Landschaft. Etwa 150 km vor Broome gingen die Büsche langsam in Bäume über, aber der Zyklon `Rosita`, der vor wenigen Wochen hier durchgefegt ist, hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen...lauter geknickte Bäume, viele davon verkohlt, da immer wieder Buschfeuer ausbrechen. Kurz vor Broome sahen wir auf einmal eine ganz schwarze Wolke am Horizont; wir dachten schon an ein Unwetter, doch als wir näher kamen und Rußflocken durch die Luft flogen, wurde uns klar, daß hier links und Rechts der Straße der Busch brennt. Und richtig, nur wenige Kilometer weiter sahen wir riesige Flächen in Flammen, der Himmel verfinsterte sich und auch die Straße konnte man nur noch einige Meter weit einsehen. Es war wie in einem Vulkanausbruch-Szenario und wir waren froh, als wir da durch waren, denn der Geruch nach Rauch und Feuer drang durch alle Ritzen ins Auto und wir konnten nicht abschätzen, wie weit sich die Brände ausgebreitet hatten. Gegen 16:30 Uhr kamen wir in Broome an und fuhren zuerst ins Tourist Office. Die Gibb River Road war noch nicht ganz frei gegeben, zwischen Kalumburu Turnoff und Home Valley Homestead waren noch Bauarbeiten im Gange. Unsere Stimmung war dadurch etwas gedrückt, denn das warf unsere Pläne für die nächsten Tage völlig durcheinander. Wir fuhren erst mal zum Cable Beach Caravan Park, aber der war uns zu groß und die Autos standen da gedrängt wie in der sprichwörtlichen Sardinendose. Also fuhren wir weiter und fanden gleich wenige hundert Meter später den Tarangau Caravan Park, wo schon am Eingang die Worte `The quiet alternative` zu lesen waren. Und tatsächlich war es hier schön ruhig, nicht so viel Betrieb. So entschlossen wir uns, zumindest die erste Nacht hier zu verbringen (A$20). Interessant waren die vielen Libellen, die zu hunderten durch die Luft schwirrten; wir hatten ja schon gelesen, daß durch die lang anhaltenden Regenfälle in diesem Jahr die Insektenpopulation sprungartig angestiegen wäre. Aber mit Beginn der Dunkelheit waren alle Libellen mit einem mal verschwunden. Wir setzten uns hinter unseren Camper zum Abendessen, nahmen uns dann den Kalender und Straßenkarten und arbeiteten einen Plan B aus, falls wir wirklich nicht auf der Gibb River Road durchkommen würden.


13. Tag:

Heute wollten wir uns mal ein bißchen in Broome umsehen. Nach dem Frühstück sind wir zum Cable Beach gefahren, aber so toll fanden wir den Strand eigentlich nicht. Auch hier hatte der Zyklon seine Spuren hinterlassen, es war eine Menge Sand abgetragen worden und so sah der Cable Beach einfach nicht sehr einladend aus. Dann sind wir zu Guntheaume Point gefahren, wo es bei Ebbe Dinosaurierspuren zu sehen geben sollte. Obwohl der Gezeitentiefststand erst kurz vorbei war, konnten wir keine Spuren entdecken oder zumindest keine der ausgewaschenen Löcher im Fels als solche definieren. Wir sind dann wieder zurück nach Broome und haben uns den japanischen und den chinesischen Friedhof angesehen; dann sind wir nach Chinatown gefahren und die Carnavon Street auf und abgebummelt. Hier war das eigentliche Zentrum, es gab jede Menge Souvenirshops und Cafes. Wir haben in einem Indigenious Art Shop einige schöne Aboriginalmalereien gekauft und ein wenig mit der Angestellten erzählt. Dann haben wir uns ein schönes Cafe gesucht und Pasta mit Prawns & Calamares zum Mittag gegessen. Um 14:30 Uhr sind wir wieder in Richtung Cable Beach gefahren, denn wir wollten um 15 Uhr die Feeding Tour in Malcolm Douglas Crocodile Park mitmachen. Die Führung war recht interessant, auch wenn der Chef selbst gerade nicht da war, weil er zu Hause an seiner neusten Fernsehserie arbeitete. Wir sind dann noch mal zur Old Jetty und durch die Carnavon Street gefahren, haben in dem Indigenious Art Shop noch eine Carved Boab Nut gekauft und sind dann wieder zum Tarangau Caravan Park gefahren. Unterwegs haben wir noch bei einem großen Shopping Center gehalten und unsere Vorräte etwas ergänzt und Lampenöl gekauft. Wir hatten von Bekannten zu Hause vor unserer Abreise eine Art Emergency Set geschenkt bekommen und hatten die Petroleumlampe davon mitgenommen. Die haben wir an diesem Abend eingeweiht, weil unsere Kerze alle war. Zum Abendessen gab es frische Melone und Brot.


14. Tag:

Wir sind um 6:00 Uhr aufgestanden und haben Broome nach dem Frühstück verlassen. Kurz vor Derby haben wir uns den großen Prison Tree angesehen; gegen 10:30 Uhr sind wir in Derby angekommen. Wir haben uns ein wenig umgeschaut und sind dann ins Main Roads Office gefahren, um uns nach dem Zustand der Gibb River Road zu erkundigen. Noch immer waren zwischen Kalumburu Turnoff und Jacks Waterhole Roadworks im Gange. Die nette Frau im Office meinte aber, sie sei zuversichtlich, daß das letzte Stück morgen oder übermorgen freigegeben werden kann, wenn nichts außergewöhnliches passiert. Silent Grove, wo wir heute eigentlich übernachten wollten, und Bell Gorge seien aber noch mindestens bis zum Juli gesperrt. Also beschlossen wir, heute bei der Windjana Gorge zu übernachten und morgen bis zum Mt. Barnett Roadhouse, wo wir uns wieder nach dem aktuellen Stand der Roadworks erkundigen könnten, zu fahren. Zunächst sind wir weiter durch Derby gefahren und haben kurz nach 11:00 Uhr im Rock Cafe nach Mittagessen gefragt. Die Kellnerin war sehr freundlich und meinte, die Küche würde erst um 12:00 Uhr beginnen. Sie gab uns aber noch ein paar gute Tips, was wir bis dahin anstellen könnten. Also sind wir erst mal zur Jetty gefahren, wo gerade Low Tide war und ein Segelboot fast total auf dem Trockenen lag. Man konnte aber die Spuren erkennen, wo das Wasser bei High Tide steht; Derby hat mit über zehn Metern den höchsten Tidenunterschied Westaustraliens. Auf dem Rückweg haben wir noch ein paar Mud Crab Fischern zugesehen und sie nach ihrem Erfolg gefragt. Die meinten nur: "A lot of mud, but only few crabs..." Um 12:00 Uhr waren wir wieder zurück im Rock Cafe und leisteten uns den Barramundi mit Baked Potatoe zum Mittagessen. Dann sind wir zur Gibb River Road gefahren und mußten uns in eine Kolonne anderer Fahrzeugen einreihen. Nichts war mit großer Einsamkeit...wir hofften nur, daß das nicht die ganze Strecke durch die Kimberlys so bleiben würde. Nach knapp 130 Kilometern zweigten wir in Richtung Fitzroy Crossing ab und fuhren zunächst an der Windjana Gorge vorbei zum Tunnel Creek. Hier war es schon etwas ruhiger, auch wenn wir später noch einer Reisegruppe begegnen sollten. Der Einstieg in den Tunnel war nicht so ganz einfach, lohnte sich aber auf alle Fälle. Ganz durchgelaufen sind wir aber nicht, nur ein Stück hinein. Wir wollten noch in die Windjana Gorge wandern, bevor es dunkel wird, also sind wir bald wieder aufgebrochen und zurückgefahren. Im Licht der untergehenden Sonne erreichten wir die Gorge und wanderten ein Stück hinein. Die steil emporragenden Felswände leuchteten golden in der Abendsonne und ein Stück weiter sahen wir sogar drei Freshies . Zwei lagen am Strand und ließen sich überhaupt nicht von uns stören, als wir für ein Foto bis auf zwei Meter herankamen, ein drittes schwamm träge im Wasser. Wir gingen zurück zum Auto, fuhren zum Campground und machten uns eine Dose Bohnen zum Abendessen warm. Später kam der Ranger, kassierte überall die Campingfee (A$ 7 pro Person). Als er uns mit unserer Lampe und einem Glas Wein an unserem Camper sitzen sah, war sichtlich entzückt und meinte: "Oh, isnīt it romantic". Er fragte uns, ob wir aus Deutschland kämen, weil wir mit einem Britz-Camper unterwegs waren: "Whenever I see a Britz, the chance ist high that these are Germans". Neben uns war eine Gruppe von Leuten aus Melbourne, die sich nach dem Essen ans Lagerfeuer setzten. Es dauerte nicht lang, bis einer zu uns herüberkam und fragte, ob wir uns nicht dazusetzen und ein wenig erzählen wollten. Es war ein lustiger Abend und wir saßen noch bis nach 22 Uhr draußen...


15. Tag:

Wir standen um 6:00 Uhr auf, fuhren nach dem Frühstück zurück zur Gibb River Road und auf dieser weiter bis zum Lennard Gorge Abzweig. Der 8 km lange Track war sehr rough und forderte wirklich alles von Fahrzeug und Fahrer. Nach einer halben Stunde Schaukeln und Schütteln erreichten wir die Gorge, die wir als Lohn der Mühe ganz für uns allein hatten. Wir stiegen hinab bis zum Wasser und nahmen ein kurzes Bad, bevor wir wieder hinaufkletterten und zurück zur Gibb River Road fuhren. Der Abzweig zu Silent Grove und Bell Gorge war leider immer noch gesperrt, also fuhren wir bis zur Adcock Gorge und wanderten auch da hinein. Wir waren flotten Schrittes unterwegs, als Andreas auf einmal einen Satz zurückmachte. Vor uns kroch eine Schlange über den Weg, die sich ganz offensichtlich von uns gestört fühlte. Wir wußten nicht, was das für eine Schlange war und ob sie vielleicht sogar giftig war. Deshalb bleiben wir respektvoll auf Distanz. Später haben wir sie auf einem Bild mit großer Wahrscheinlichkeit als eine sehr giftige Curl Snake (rotbräunlicher Rücken und heller, gelber bis grünlicher Bauch) identifizieren können. Auf den Rückweg haben wir noch eine ganze Reihe bunter Papageien gesehen, die, von uns aufgeschreckt, von einem Baum zum nächsten flogen. Weiter ging es auf der Gibb River Road bis zur Galvans Gorge, in die wir natürlich auch hineingewandert sind. Hier gefiel es uns auch sehr gut; am oberen Rand der Gorge stand ein großer Boab Tree und von dort aus fiel das Wasser in zwei Kaskaden herab...ein wirklich malerisches Bild. Anschließend fuhren wir weiter bis zum Mt. Barnett Roadhouse, wo wir unseren zweiten Tank wieder auffüllten (A$ 1,20 pro Liter Diesel, der höchste Benzinpreis auf unserer Reise, aber nicht sehr verwunderlich hier `in the middle of nowhere`) Wir wollten hier übernachten und am nächsten Morgen zur Upper Manning Gorge wandern, also haben wir auch gleich die Camping Fee (A$ 7 pro Person) bezahlt und bei der Gelegenheit nach dem Stand der Roadworks auf dem nächsten Stück der Gibb River Road gefragt. Und hier erhielten wir endlich die erlösende Nachricht: Der letzte Teilabschnitt zwischen Kalumburu Turnoff und Durack River ist heute freigegeben worden, mit extremer Vorsicht zwar, aber immerhin genau rechtzeitig für uns. Wir suchten uns einen schönen Platz auf dem Campground, gingen in der Lower Manning Gorge noch kurz baden und setzten uns dann zum Abendessen an unseren Camper. Uns gegenüber stand ein Maui-Camper, auch mit Deutschen - aus Dresden, wie sich später herausstellte. Wir setzten uns abends noch ein wenig zusammen und erzählten eine Weile. Wir erfuhren, daß der Grund für die lange Sperrung des letzten Abschnitts der Straße nicht nur die Instandsetzungsarbeiten nach der Regenzeit waren, sondern vor allem der Durack River, der offensichtlich noch sehr viel Wasser führte. Die ersten, die heute aus Richtung Kununurra durchgekommen wären, hätten von über hüfthohem Wasser berichtet. Das gab uns noch ziemlich lange zu denken, immerhin waren Wasserschäden so ziemlich das einzige, was unsere Fahrzeugversicherung nicht abdeckte...


16. Tag:

Wir standen wieder um 6:00 Uhr auf und nahmen nach dem Frühstück die Wanderung zur Upper Manning Gorge in Angriff. Das erste Stück hätte man kurz durch die Lower Gorge schwimmen müssen, da wir aber Kamera und Fotoapparat mithatten, mußten wir die 30minütige Umgehung nehmen. Dann war es noch eine gute Stunde Wanderung und über weite Strecken hatten Buschfeuer den Wald in eine schwarze Ebene verwandelt. Aber die Wasserfälle an der Upper Gorge entschädigten uns voll und ganz für den anstrengenden Weg; wir schwammen im Pool und duschten unter dem Wasserfall, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Unterwegs trafen wir den Dresdner vom Vorabend wieder, erzählten noch kurz und tauschten die E-Mail Adressen aus. Dann fuhren wir zum Roadhouse, aßen einen Meat Pie zum Mittag und erkundigten uns nochmals nach dem Straßenzustand und dem Durack River. Wir trafen auch zwei Schwaben da, die gerade vom anderen Ende der Gibb River Road kamen und keine Probleme hatten, durchzukommen. Im Gegenteil, sie waren von dem sehr guten Zustand der Piste fast ein wenig enttäuscht. Na, zumindest waren wir etwas beruhigt und guter Dinge, daß auch wir keine Probleme haben würden, und so beschlossen wir, auf dem Weg noch einen Abstecher zur Barnett River Gorge zu machen. Nach dem ersten Hinweisschild an der Straße fanden wir aber keine weiteren mehr und der Track verzweigte sich mehrfach. Immerhin fanden wir bis zum Fluß, aber von einer wunderschönen Gorge war weit und breit nichts zu sehen. Dafür hatten wir zwei Erlebnisse der weniger schönen Art. Erstens: Wir liefen gerade ein Stück am Barnett River entlang und wollten diesen überqueren. Andreas machte einen Schritt in das sandige Flußbett und schwupp...stand er bis zum Oberschenkel im Schlamm. Zweitens: Auf dem Rückweg zur Gibb River Road verpaßten wir die Umfahrung eines sehr aufgeweichten Stücks des Tracks und fuhren unseren Buschie hoffnungslos fest. Es war ein ziemlich weicher Lehmboden, wo noch Wasser drin stand und uns ergriff erst mal die Panik. Doreen sah sich in Gedanken schon zu Fuß zur Straße laufen und nach Hilfe suchen... Immerhin ging es noch je einen halben Meter vor und zurück und wir versuchten das Auto freizuschaukeln. Aber ohne Erfolg, unser Buschie sank immer tiefer ein und schließlich drehten alle vier Räder frei. Also ließen wir diese Bemühungen erst mal sein und suchten ein wenig Kleinholz in der Umgebung. Das steckten wir zusammen mit einigen festeren Schlammbrocken unter die Hinterräder und einen großen Ast unter das linke Vorderrad. Nach einigen Versuchen, bei denen unser Camper die eine oder andere ordentliche Ladung Schlamm abbekam, hatten wir es dann geschafft und waren endlich wieder flott. Die ganze Aktion hatte nur etwa zehn Minuten gedauert, aber die waren uns wie eine Ewigkeit vorgekommen. Wir fuhren weiter auf der Gibb River Road , wo wir immer wieder heftige Buschbrände sahen. Später kamen wir dann an einigen Stellen vorbei, wo wirklich noch fieberhaft an der Straßenausbesserung gearbeitet wurde. Entsprechend gut war dann aber auch der Zustand der Straße, wir konnten locker 100 km/h fahren. Irgendwann hatten wir dann den Durack River erreicht, wo uns wirklich eine Menge Wasser erwartete. Aber wir hatten ja gehört, daß einige andere Fahrer die Durchquerung schon geschafft hatten. Also prüften wir nicht erst die Tiefe, sondern fuhren gleich langsam hinein. Das Wasser wurde immer tiefer und stand schließlich bis zur Tür. Es roch zwar etwas feucht, aber der Motor lief, die Räder drehten sich und irgendwann kamen wir am anderen Ufer an. Kurz nach 17:00 Uhr erreichten wir die Durack River Station am Jackīs Waterhole, wo wir diese Nacht blieben (A$ 6 pro Person). Wir parkten unseren Buschie am Wasser, genossen die letzten Sonnenstrahlen und nahmen (endlich mal wieder) eine heiße Dusche. Zum Abendessen machten wir uns einen Topf Nudeln und wie immer gab es dazu einige Gläser Wein.



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