Die Ureinwohner Australiens, die Aboriginals (oder auch Aborigines), lebten in
Einklang mit der Natur; die Erde war gut, so wie sie war, ihr war nichts hinzuzufügen.
Ihre Vorfahren hatten in der Traumzeit die Erde, die Pflanzen, die Tiere und den
Menschen erschaffen, in denen sie heute weiterleben; alles war eins und konnte sich
ineinander verwandeln. Zahlreiche Legenden berichten davon.
Doch mit der Einwanderung der Europäer wurden die Aboriginals schnell zu einer Minderheit
und erlitten das Schicksal so vieler Minderheiten auf der Welt: Sie wurden unterdrückt,
von ihrem Land verjagt und zu tausenden umgebracht. Für ihre Kultur interessierte sich
niemand; wie allen Urvölkern versuchte man ihnen die Kultur der Einwanderer zu lehren.
Da die Aboriginals keine Schrift haben, sondern ihre Kultur in Gesängen, Tänzen und
Legenden weitergegeben haben, wurden mit der Ausrottung ganzer Aboriginal-Stämme, Teile einer
jahrtausendalten Kultur unwiederbringlich vernichtet. Das ist das Dilemma der heutigen Aboriginals:
Ihre Kultur wurde zerstört, die der Einwanderer können und wollen sie nicht annehmen.
Somit fehlt ihnen jeglicher Halt und Orientierung in der Gesellschaft des heutigen Australiens.
Heute leben sie in den Städten und erhalten Geld vom Staat. So müssen sie nicht mehr auf die
Jagd gehen, um etwas zu Essen zu haben. Die wenigsten haben jedoch eine Arbeit, einige können als
Künstler oder in Nationalparks arbeiten. Vielen anderen fehlt jedoch jegliche Beschäftigung und
sie erliegen dem Alkohol. Das Weißbrot, die Marmelade und Konserven, die sie zu kaufen bekommen,
schmeckt zwar, ist aber keineswegs so gesund und abwechslungsreich wie das, was sie früher in der Natur
gefunden haben und so werden viele der in den Städten angesiedelten Aborigines fett und träge.
In den letzten Jahren hat die australische Regierung versucht, den Ureinwohnern durch Übertragung
von Eigentumsrechten am Landbesitz zu mehr Eigenständigkeit zu verhelfen. Etwa ein Drittel des
Norhtern Territory fällt inzwischen unter die Land Rights der Aboriginals. Es wird nicht erwartet,
daß die Land Rights zu einem wiederaufleben traditioneller Lebensweisen führen werden, sie
sollen aber den Ureinwohnern die Chance geben, sich aus der sozialen Abhängigkeit der weißen
Australier zu lösen.
Legenden:
An dieser Stelle möchten wir einige Legenden aus der Traumzeit anführen; eine Erweiterung
dieses Teils ist geplant. Wir freuen uns über Hinweise und Kritik.
Die Traumzeit
Während der Erschaffung unserer Welt bewegten sich unsere Vorfahren über ein unfruchtbares
Land; jagten, siedelten, kämpften und liebten in einer reizlosen Landschaft. Als sie von den
Träumen zu Taten übergingen, schufen sie die Ameisen, die Emus, die Krähen, die Possums,
die Wallabies, die Känguruhs, die Eidechsen, die Schlangen und alle Pflanzen. Sie schufen die Sonne,
den Mond und die Planeten. Sie schufen den Menschen, die Stämme und die Clans. Alles konnte sich in
etwas anderes verwandeln. Eine Pflanze konnte ein Tier werden, ein Tier eine Landschaft, eine Lanschaft
ein Mann oder eine Frau. Alles wurde aus der selben Quelle geformt; alles wurde in der Traumzeit erschaffen.
Als die Welt Gestalt annahm und sich vielen Arten und Erscheinungsformen der Vorfahren füllte, zogen
sich die Vorfahren zurück in die Erde, den Himmel, die Wolken und alle Kreaturen, die sie in der
Traumzeit erschaffen hatten.
Die Schöpfung des 5. Kontinents
Als Bajamel - der Vater des Geistes - beschloß, Murilak zu schaffen, da forderte er Jih - die Sonne - auf,
das Land mit ihrem Licht zu übergießen und die Tiere aus den Höhlen zu locken. Jih tat, was ihr
befohlen wurde und seitdem leuchtet das Land rot, wie ein Planet.
Das Didjeridoo
Vor langer Zeit, die Männer des Stammes waren auf der Suche nach Nahrung. Sie fanden ausgehöhlte
Stämme voll mit kleinen Tieren, die sie herausschüttelten. Eines Tages versuchte einer der Männer
nach dem Angeln, Fische herauszublasen. Er war überrascht von dem Ton. Als er sich umsah, tanzten die
Männer des Stamms und klatschten den Rhytmus.
Wie Dungier, der Koala, seinen Schwanz verlor
Plötzlich begann es zu donnern. Der Himmel verdunkelte sich, ein großer Flammenpfeil fiel aus ihm
hernieder und setzte den Wald in Brand. Von seinem Platz hoch in den Bäumen sah Dungier die anrollende
Flammenwand. Er kletterte hinunter, steckte seinen Schwanz ins Wasserloch und wirbelte ihn herum, um die
Flammen zu löschen. Aber die geschrumpften Wasserlöcher waren schnell leer und die Feuersbrunst
wuchs und wuchs. Viele Tiere auf dem Waldboden bemerkten das Inferno zu spät und kamen in den Flammen
um. Auch Dungier kam nicht ungeschoren davon; sein langer Pinselschwanz fing feuer und verbrannte. Ohne die
Last des Schwanzes konnte der Koala schneller flüchten. Er verlor zwar seinen Schwanz, doch er überlebte.
Die Geschichte des Boab
Nachdem die Götter die Erde erschaffen hatten, war der Boab der schönste von allen Bäumen.
Doch er lachte über all die anderen Bäume und prahlte mit seiner Schönheit.
Die anderen Bäume waren schon ganz traurig, doch der Boab hörte nicht auf und erzürnte schließlich
sogar die Götter. Also rissen sie ihn mitsamt der Wurzeln aus der Erde heraus und pflanzten ihn einfach kopfüber
wieder ein.
Letztes Update: 15. Oktober 2000