Unsere Reise durch die Kanadischen Rockies



15. Tag:

Heute sollte ein reiner Fahrtag werden, ohne großartige Highlights. Wir schliefen wir bis 8:30 Uhr, standen auf, frühstückten und waren gegen 10 Uhr eigentlich abfahrbereit. Andreas wollte nur noch rasch die Abwassertanks entleeren, doch da passierte ein Missgeschick. Eine Kralle des Abwasserschlauches brach ab und ein großer Teil des Inhalts des Schwarzwassertanks ergoss sich über Schuhe und Hose. Na toll, der Gestank wird so schnell wohl nicht wieder rausgehen! Im Campground Office wurde schnell eine neue Kappe für den Schlauch gekauft, montiert und dann war ein ordnungsgemäßes Ablassen des Tanks kein Problem…der Gestank blieb jedoch noch eine Weile. Wir riefen noch rasch bei Air Canada an, um unseren Rückflug zu bestätigen und auch gleich zu klären, ob mit unseren Special Meal Wünschen alles klar gegangen war. Um 110 Uhr fuhren wir dann endlich los. Die kurvenreiche Straße führte entlang des Thompson River und immer wieder konnte man die Spuren schwerer Waldbrände sehen. In Kamloops war mal wieder groß Einkaufen angesagt. Diesmal entschieden wir uns zwecks Preisvergleich mal nicht für den Safeway und stellten fest, dass viele Dinge in anderen Supermärkten durchaus preiswerter zu haben waren. Zum Mittagessen gingen wir in einen Wendy´s. Vincent beobachtete vom Fenster aus gespannt die vielen Schulbusse, die auf dem gegenüberliegenden Gelände ein und aus fuhren und verputzte nebenbei eine ganze Sechserbox Chicken Nuggets allein. Derart gestärkt fuhren wir weiter nach Cache Creek und machten unterwegs nur einen kurzen Halt am Kamloops Lake Lookout. In Cache Creek checkten wir auf dem Brookside Campground ein (19$, Power & Water), tranken eine Tasse Kaffe und aßen Donuts dazu und gingen anschließend mit Vincent auf den Spielplatz. Anschließend spielten wir noch eine Weile Ball, schauten und die Flipperautomaten im Aufenthaltsraum an und kamen mit einigen Leuten aus Esslingen ins Gespräch, die kürzlich erst in Vancouver gestartet und nun in Richtung Icefields Parkway und Calgary unterwegs waren. Zum Abend hin machten wir ein Lagerfeuer, grillten Steaks und beschlossen den Abend gemütlich mit einer Flasche Wein.


16. Tag:

Wir standen wieder gegen 8 Uhr auf und telefonierten nach dem Frühstück nach Hause, um mal ein Lebenszeichen von uns zu geben. Danach gingen wir wieder Ball spielen und erzählten ein wenig mit unserem Stellplatznachbar. Wir hatten gesehen, dass dieser ebenfalls ein Motorhome von Cruise Canada hatte und fragten ihn nach dem einfachsten Weg zur Vermietstation in Vancouver. Nach einem kurzen Schwatz verließen wir Cache Creek, machten aber schon kurz nach dem Ortsausgang den ersten Halt in der Bonaparte Bend Winery. Hier wurden ausschließlich Obstweine angeboten, aber nachdem wir ja schon 2001 in Hawaii vom Ananaswein positiv überrascht wurden, probierten wir auch hier einige Sorten. Von einigen Weinen waren wir sogar richtig begeistert und wir beschlossen, eine Flasche Rhabarberwein als Souvenir mit nach Hause zu nehmen. Dann ging es weiter bis zur Hat Creek Ranch. Hier stand die Entscheidung des Tages an, ob wir weiter auf dem Hwy. 1 über Hells Gate und Hope oder über den Hwy. 99 über Lilloet fahren. Insgeheim hatten wir uns ja schon für letztere Route entschieden, nachdem wir uns vorab ausgiebig im Internet über die Alternativen informiert hatten. Die Leute aus Esslingen, mit denen wir gestern gesprochen hatten, waren jedoch die andere Route herauf gekommen und hatten begeistert von der Landschaft erzählt. Wir beschlossen, erst mal die Hat Creek Ranch zu besuchen und die Entscheidung noch ein wenig hinauszuschieben. Die Ranch war wunderschön, nicht so weitläufig wie die Bar U Ranch, aber auch sehr gut gepflegt. Wenn wir eine Stunde Geduld hätten, könnten wir sogar eine Kutschfahrt in der historischen Postkutsche machen, Roger –ein alter Indianer- würde gerade die Pferde anspannen. Wir sahen uns also ein wenig auf der Ranch um, besichtigten einige alte, gut in Schuss gehaltene Häuser sowie viele Tiere auf der Farm und entdeckten, dass wir hier sogar recht preiswert hätten übernachten können: Campsites 10$, powered sites 15$. Dann war es endlich soweit und wir konnten zu Vincents Vergnügen endlich unsere Kutschfahrt machen. Roger erzählte uns viel Interessantes über die Ranch und das Leben hier in der Vergangenheit und der Gegenwart. Er bestätigte uns auch in unserem Entschluss, den Hwy. 99 zu fahren. Die Route durch den Fraser Canyon ist halt der Transcanada Highway und man schwimmt dort im Strom der Fahrzeuge mit. Der Hwy. 99 ist schmal und kurvig und folgt der alten Siedlerroute. Hier hat man immer wieder Gelegenheit zum Anhalten und Genießen der tollen Ausblicke. Das war genau das, was wir hören wollten und damit war die weitere Route klar. Die Straße stieg oft steil an, wand sich entlang der Berge und Täler und bot immer wieder schöne Lookouts. In Lilloet tankten wir voll und machten kurz darauf Mittagspause auf dem Naxwit Picnic Area, direkt am Fluss. Hier entdeckten wir, dass am Ufer Poison Ivy wuchs, jenes sagenumwobene Gewächs, welches einem bei Berührung tagelange, quälende Schmerzen bereiten soll. Und so passten wir auf, dass Vincent nicht gerade dort spielte… Bei der Weiterfahrt entpuppte sich der Hwy. 99 als spektakuläre Bergstraße und uns wurde klar, warum diese Strecke bis zu ihrer vollständigen Asphaltierung vor wenigen Jahren von Wohnmobilvermietern verboten wurde. Bei der Abfahrt nach Pemberton brachten wir die Bremsen unseres Motorhomes fast zum qualmen. Ein Blick auf den GPS verriet uns, dass wir hier innerhalb kürzester Zeit von 1250 Meter auf nur 200 Meter Höhenniveau herab gefahren sind. In Pemberton machten wir einen kleinen Fotostopp, die historisch gestaltete Raststätte mit modernen Einrichtungen wie Shell-Tankstelle und McDonalds sah wirklich witzig aus. Laut Ankündigungen am Straßenrand waren alle Campgrounds im Nairn Falls P.P. bereits geschlossen, also fuhren wir weiter bis Whister. Als wir hier im Riverside RV Resort & Campground eincheckten, kippten wir bald aus den Stiefeln: 48,15% inkl. Tax für einen Full Hook up Site. Als wir noch mal kurz nachfragten, weil wir glaubten, den Betrag falsch verstanden zu haben, bekamen wir nur die schnippische Antwort: „Welcome to Whistler…“. Aber damit noch nicht genug, für sechs Minuten Duschen wurde noch einmal 1$ fällig, 25ct für jede weitere Minute. Na, wenn das keine Abzocke ist. Außerdem wurden wir gewarnt, dass letzte Nacht ein Bär auf dem Campground umherspaziert sei, wir sollten die Augen offen halten. Die beste Gelegenheit, Bären zu sehen gäbe es aber von der Seilbahn aus. Nur leider war das Wetter mal wieder gar nicht so, dass sich die Fahrt gelohnt hätte. Und den genauen Fahrpreis wollten wir auch lieber gar nicht wissen. Wir gingen mit Vincent noch eine Weile auf den Spielplatz, den Bären bekamen wir dabei aber nicht zu sehen. Allerdings hörten wir ein lautes Piepen, das von weitem an unser Ohr drang, und mussten unwillkürlich Lachen. Da hat doch sicher einer vor kurzem sein Wohnmobil übernommen und gerade beim Abendessen bereiten Bekanntschaft mit dem Rauchmelder gemacht. Kommt uns das vielleicht irgendwie bekannt vor…? Anschließend gingen wir noch rasch Duschen, aßen Abendbrot und tranken noch einen Schluck Wein, bevor wir ins Bett gingen.


17. Tag:

Wir wollten heute bis nach Vancouver, dem Ziel unserer Reise fahren, hatten aber unterwegs noch einiges vor. Also standen wir schon gegen 7:30 Uhr auf. Vincent bockte heute gleich von früh an, man merkte ihm an, dass er langsam Heimweh bekam. Wir frühstückten, leerten unseren Grauwassertank und schauten erwartungsvoll gen Himmel. Leider war uns auch heute die Sonne nicht hold und so verzichteten wir abermals auf eine Seilbahnfahrt. Bei mangelnder Sicht wäre das Geld wahrlich nicht gut angelegt gewesen. Es folgte noch ein Anruf bei Tante Lotte in Überlingen, die heute ihren 90. Geburtstag feierte. Um 9:45 fuhren wir dann los. Im Whistler Village konnte man eine Menge Kräne sehen, offensichtlich war noch eine Menge zu bauen, bis die Skisaison in diesem Jahr eröffnet wird. Auch die Straße zwischen Whistler und Squamish war eine einzige Baustelle. Vancouver hatte kürzlich den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2010 bekommen und bis dahin sollte der Highway zwischen Vancouver und dem Skiort Whistler mehrspurig ausgebaut werden. Aufgrund der dafür notwendigen Sprengarbeiten kam es oftmals zu Vollsperrungen des Highways, wir hatten jedoch ein derart perfektes Timing, dass wir immer genau zurecht kamen, als die Spur in unserer Richtung geöffnet war. In Squamish fuhren wir zunächst zum Railway Heritage Park (10$ p.P., 2$ für Fahrt mit dem Miniaturzug), weil wir dachten, das ist etwas was unserem Sohn gefällt. Und das war es auch. So viele Züge und Lokomotiven und durch alle konnte man durchlaufen, bei der alten Dampflok sogar die Bimmel läuten. Vincent zeigte und erklärte uns alles ganz genau, als sei er hier schon seit Jahren Direktor. Kurz vor Mittag konnten wir sogar noch eine Runde mit dem Miniaturzug fahren, der extra für uns aus der Garage geholt wurde (andere Fahrgäste gab es nicht). Der Lokführer erzählte uns viel über das Museum und über Thomas, die kleine Dampflok, die im Original vor einigen Jahren sogar einmal hier Halt gemacht hatte. Nach diesem sehr kurzweiligen Besuch fuhren wir zu den Shannon Falls, stellten uns auf den Parkplatz und kochten erst einmal Mittagessen. Danach spazierten wir noch ein wenig durch den Park, sahen uns die Wasserfälle an und spielten zwischen den großen, teilweise hohlen Bäumen. Anschließend ging die Fahrt entlang des Howe Sound in Richtung Vancouver und immer wieder boten sich uns schöne Ausblicke am Straßenrand. In North Vancouver fuhren wir vom Highway ab, bewusst eine Abfahrt zu früh, weil wir schauen wollten, ob es vielleicht noch einen anderen als den lauten Capilano Campground gab. Wir fuhren bis zum Burrard Inlet und warfen vom Beach Park einen Blick auf die Lions Gate Bridge. Einen Hinweis auf einen Campground konnten wir aber nicht finden. Da wir unser Motorhome morgen früh in Delta, einem Vorort südlich von Vancouver abgeben mussten, beschlossen wir uns gleich dort in der Nähe einen Campground zu suchen. Unser Woodall´s listete gleich eine ganze Menge Plätze dort, eine genaue Anfahrt konnten wir aber leider nicht finden. Also fuhren wir erst einmal nach Vancouver hinein, vorbei am Capilano Park, über die Lions Gate Bridge mitten hinein in die Rush Hour nach Downtown. Doreen blieb beim Fahren mit unserem riesigen Vehikel durch die fremde Stadt erstaunlich gelassen, Andreas lotste per Karte und Vincent schlief glücklicherweise. So kamen wir ganz gut durch den Stau mit nur einem kleinen unnötigen Schwenk. Aus der City heraus fielen wir dann aber von der Karte des Atlas herunter und kauften zur besseren Orientierung an einer Tankstelle einen Stadtplan. Damit und mit viel Nachfragen(so was blödes aber auch, wenn es in jedem Vorort wieder dieselben Straßennamen gibt) kämpften wir uns bis zum Richmond RV Park durch und checkten hier ein (27,50$ - 10% AAA-Discount). Wir gingen noch ein wenig auf den Spielplatz, der aber von den offensichtlich heftigen Regenfällen der letzten Tage ziemlich aufgeweicht war, spazierten dann noch ein wenig umher, um den Blick über den Fraser River hinüber nach Vancouver zu genießen, aßen dann Abendbrot und begannen langsam damit, unsere Taschen zusammenzupacken.


18. Tag:

Früh um 7 Uhr war für uns die Nacht zu Ende. Wir mussten noch unsere restlichen Sachen zusammenpacken und das Wohnmobil reinigen. Auf eine Außenwäsche konnten wir ja glücklicherweise verzichten, da wir das Fahrzeug auch äußerlich schmutzig übernommen hatten. Abschließend leerten wir alle Wassertanks, füllten den Propangastank noch einmal auf und verließen den Campground gegen 10:15 Uhr. Um 10:50 Uhr erreichten wir die Station von Cruise Canada. Die Abgabe gestaltete sich völlig problemlos, alle zusätzlich gekauften Artikel für die wir Quittungen vorlegen konnten, wie die neue Kappe für den Abwasserschlauch und auch der Stadtplan von Vancouver (obwohl wir den behielten), wurden anstandslos bezahlt. Mit unseren vorgebuchten Meilenpaketen wären wir auch exakt ausgekommen. Es waren nur 164 Kilometer zuviel, die uns nachträglich berechnet wurden (40$), und darin waren beispielsweise die 110 Kilometer Zusatzstrecke enthalten, die wir wegen Vincents Unfall von Waterton ins Krankenhaus nach Cardston und wieder zurück fahren mussten. Unsere Planung war also nahezu perfekt aufgegangen. Wir fuhren mit dem Taxi nach Vancouver in unser Hotel, das Empire Landmark in der Robson Street. Hier bekamen wir ein Riesenzimmer im 8. Stock, wo wir zunächst unser Gepäck abstellten, uns einen Kaffee kochten und uns etwas frisch machten. Gegen 14 Uhr brachen wir zum Sightseeing wieder auf. Wir bummelten die Robson Street entlang und schauten in einige der vielen Souvenirläden, liefen dann zum Canada Place und fuhren dann auf die Aussichtsplattform des Harbor Center (10$ p.P.). Dort stellten wir fest, dass der Akku unserer Kamera in den nächsten Minuten aufgeben würde. Also gingen wir noch einmal zurück zum Hotel, um den Ersatzakku zu holen. Dort tranken wir noch einen Kaffee und zogen schließlich um 18 Uhr noch einmal los. Wir liefen die Uferpromenade entlang zum Canada Place und genossen dort die Abendstimmung. Dann lenkten wir unsere Schritte in Richtung Gastown. Hier bummelten wir von einem Souvenirshop in den nächsten und grasten natürlich auch die touristischen Highlights, wie die Steamclock und Gassy Jack auf seinem Whiskyfass, ab. Anschließend sind wir noch einmal auf den Tower des Harbor Center gefahren, um uns Vancouver bei Nacht einmal zu betrachten. Das Ticket gilt, einmal gelöst, für den ganzen Tag, und so kann man am selben Tag so oft man will auf die Plattform hinauf fahren und den Blick auf die Stadt zu verschiedenen Tageszeiten genießen. Auf dem Rückweg zum Hotel machten wir einen Abstecher auf die Grenville Street, wo offensichtlich das Zentrum des Nachtlebens war. Vor den Kinos und Diskotheken standen Schlangen und die ganze Stadt schien hier auf den Beinen zu sein. Wir hatten fast Zweifel, ob wir hier mit unserem 2 ˝ jährigen Sohn richtig waren. Aber dann fanden wir einen kleinen Pizza-Imbiss, der mit 99ct per Slice und dem Slogan ´Love at the first bite – Pizza´ warb. Hier probierten wir ein Stück und es war wirklich Liebe auf den ersten Biss. Wir verdrückten jeder ein ganzes Stück (auch Vincent!), Doreen und Andreas nahmen jeder noch ein weiteres mit auf den Weg, wovon Vincent aber auch noch eine gehörige Portion abbekam. Zurück im Hotel badeten Doreen und Vincent noch rasch, dann ging es für alle drei ab ins Bett.


19. Tag:

Um 8 Uhr war die Nachtruhe beendet, wir standen auf und gingen frühstücken. Im Zimmerpreis war das umfangreiche kalte Frühstücksbuffet inklusive und das ließ wirklich kaum Wünsche offen. Und sollte doch irgendwer noch Sonderwünsche haben, für 5$ Aufpreis konnte man das Hot Breakfast bekommen. Gut gestärkt liefen wir die Robson Street in der anderen Richtung hinunter zur Denman Street. Dort mieteten wir uns zwei Fahrräder, eines davon mit Kindersitz. Dann radelten wir los in den Stanley Park. Den ersten Halt machten wir an den Totem Poles. Hier war natürlich ein entsprechender Rummel, weil auch sämtliche Pauschaltouristen hier von den Bussen ausgekippt werden. Aber je weiter wir radelten, desto ruhiger wurde es. Wir fuhren immer am Wasser entlang um den Stanley Park herum, unter der Lions Gate Bridge hindurch und immer wieder konnten wir wunderschöne Ausblicke genießen. Mal auf die Skyline von Vancouver, dann auf den Hafen mit den unaufhörlich startenden und landenden Wasserflugzeugen, über das Burrard Inlet hinüber nach North Vancouver oder auf die vielen vor der Bucht liegenden Hochseeschiffe. Zum Mittag außen wir Fish & Chips an einem Imbiss am Second Beach, dann entdeckten wir einen riesigen Spielplatz mit mehreren großen Rutschen. Hier ließen wir uns eine Weile nieder und ließen Vincent spielen, solange er nur wollte. Und er wollte lang. Unermüdlich probierte er eine Rutsche nach der anderen, versuchte sich auch an den schwierigsten Aufstiegen und ließ sich durch keins der vielen anderen Kindern aus der Ruhe bringen. Es war eine Wonne, ihm zuzusehen. Eigentlich wollten wir ja noch nach Grenville Island, um uns dort die Public Markets anzusehen. Aber Vincent musste sich den ganzen Urlaub über nach unserem Willen richten, da wollten wir ihm hier seinen Spaß gönnen und verzichteten halt auf weitere Sightseeing Touren. Nach 2 ˝ Stunden wurde er dann doch langsam müde und wir fuhren quer durch den Park zurück zur Denman Street, um unsere Fahrräder wieder abzugeben (38$ insgesamt). Dann gingen wir noch einmal kurz ins Hotel, tranken einen Kaffee und liefen dann wieder nach Gastown zum Einkaufen und Fotografieren. Gegen 18 Uhr liefen wir zum Seabus Terminal und setzten über nach North Vancouver. Dort stiegen wir in den Bus ein, der uns zum Grouse Mountain brachte. Das Wetter war klar und versprach eine gute gute Sicht, also nahmen wir die Seilbahn nach oben (26,50$ p.P., mit Seabus Ticket 20% Discount). Es dämmerte bereits, als wir hinauf fuhren. Wir nahmen im Bergrestaurant noch einen kleinen Imbiss und konnten dann den phantastischen Blick auf das nächtliche Vancouver genießen. Es war wirklich unglaublich klar und man konnte in der Ferne sogar die Lichter von Nanaimo auf Vancouver Island sehen. Die Rückfahrt war dann perfekt getimed. Kaum waren wir mit der Gondel unten angekommen, fuhr auch schon der Bus vor. Der Fahrer gab sich offensichtlich alle Mühe, rasch zum Seabus Terminal zu kommen und auch hier erreichten wir genau die Fähre zurück in die City. Vincent hatte diesen langen Tag erstaunlich gut verkraftet, sogar ganz ohne Mittagsschlaf. Wir liefen die Grenville Street hinauf und gelangten so unvermeidlich wieder zu ´Love at the first bite – Pizza´, wo wir wirder ganz vorzüglich gegessen haben. Dann gingen wir zurück zum Hotel und fuhren noch einmal in die oberste Etage. Hier befindet sich das ´Cloud No. 9´, Vancouvers höchstgelegenes Restaurant und DIE Adresse, wenn man einen Cocktail in gediegener Atmosphäre bei Livemusik genießen will. Wir fragten, ob wir einfach mit unserem Sohn mal den Ausblick genießen könnten (eigentlich gilt in Bars ja ´no minors´), was uns auch gern gestattet wurde. Danach zogen wir uns auf unser Zimmer zurück, nahmen noch ein Bad und gingen gegen 23:30 Uhr ins Bett.


20. Tag:

Unser letzter Urlaubstag in Kanada. Wir standen gegen 9 Uhr auf, genossen noch einmal das tolle Frühstücksbuffet des Empire Landmark Hotels und packten dann unsere Taschen. Um 11 Uhr checkten wir aus und stellten unser Gepäck an der Rezeption im Hotel ein. Ein letztes mal bummelten wir über die Robson Street und deren Seitenstraßen, um auch noch die letzten Souvenirs zu erhaschen. In einem Bottleshop kauften wir noch je eine Flasche weißen und roten Kanadischen Wein sowie einen guten Kanadischen Whisky. Etwa 12:15 Uhr waren wir wieder zurück am Hotel und riefen ein Taxi, das uns zum Flughafen brachte. Beim Einchecken bemerkten wir, dass die Maschine hoffnungslos überbucht war. Händeringend wurde nach Freiwilligen gesucht, die bereit waren, für 800$ in Lufthansa-Ticketgutscheinen auf einen anderen Flug über London und München umzubuchen. Familien mit Kindern wurden aber nicht gefragt, und wir sicher auch abgelehnt. Schließlich war der Nonstopflug ein Kriterium, nach dem wir Vincents wegen den Flug ausgewählt hatten. Bis zum Boarden bummelten wir noch ein wenig über den Flughafen. Mit 30 Minuten Verspätung ging es dann los. Diesmal war es ein Airbus A340-600 der Deutschen Lufthansa. Das erste was uns auffiel, war der extrem geringe Sitzabstand; so unbequem hatten wir bisher überhaupt noch nie gesessen. Kein Vergleich mit dem A320 der Air Canada auf dem Hinflug. Toll dagegen waren die im Untergeschoss untergebrachten Toiletten, sechs Stück auf einmal, das war ein eindeutiges Plus der Maschine. Ein Entertainment Programm gab es gemäß der Lufthansa-Philosophie jedoch nicht, anstelle des Bildschirms im Sitz des Vordermanns hatte man viel Stauraum für das kleine Kissen oder andere Gegenstände. Wir hatten diesmal zwei Plätze am Fenster sowie den daneben liegenden Platz in der Mittelreihe. Also nicht so ein Glück wie auf dem Hinflug, das war bei der Auslastung der Maschine aber auch zu erwarten. Nach langem durch die Überbuchung begründeten Hin und Her hatten alle Passagiere einen Sitzplatz und es konnte losgehen. Neben Andreas in der Mittelreihe hatte kurzfristig eine junge Mutti mit Kind Platz gefunden. Die Crew war ziemlich flott und schnell gab es die ersten Getränke und Snacks. Nach dem Start wurde auch bald das Essen serviert. Andreas bekam wieder als erster, da er ein cholesterinfreies Special Meal bestellt hatte. Prompt bekam auch das Kind neben Ihm ein Kids Meal. Andreas schielte kurz auf die Beschriftung und siehe da, es hätte eigentlich auf Vincents Platz gehört. Naja, egal. Vincent war ohnehin noch nicht hungrig. Als dann aber inzwischen alle anderen Passagiere ihr Essen bekamen, fragten wir doch einmal nach und sagten, dass wir für unseren Sohn ein Kids Meal geordert hätten. Da wären nur zwei an Bord gewesen und die hätten beide schon ihre Bestimmung gefunden. Der Steward betonte, dass er alle Special Meals korrekt zugeordnet habe. Selbst nach unserem Hinweis, dass das Kind neben Andreas ja erst kurzfristig dort platziert und daher für diesen Sitz ganz sicher kein Special Meal geordert sein konnte, bestand er darauf, dass er selbstverständlich keinen Fehler gemacht habe. Erst nachdem eine andere Stewardess die Platznummern verglichen hatte, wurde er kleinlaut, eine Entschuldigung wäre jedoch ganz offensichtlich zu vie des Entgegenkommens gewesen. Natürlich wollten wir dem anderen Kind sein Essen nicht wieder wegnehmen, uns ging es nur ums Prinzip und wir fanden diese unglaubliche Arroganz einfach zum auswachsen! Vincent bekam dann ein kleines Spielzeug und ein paar Schokoriegel als Entschädigung (von der Stewardess, der Steward ließ sich nach Möglichkeit nicht mehr bei uns blicken). Ansonsten wurde es ein recht ruhiger Flug. Als Unterhaltung lief Harry Potter 3 im Programm, sogar in deutscher Sprache.


21. Tag:

Zum Frühstück gab es noch einmal einen Imbiss im Flugzeug. Gegen 10:45 Uhr landeten wir in Frankfurt/Main. Wir haben einige Zeit mit dem Warten auf den Anschlussflug totzuschlagen. Vincent gelingt das am besten, er fuhr sämtliche Fahrstühle und Rolltreppen im Transitbereich auf und ab. Dann stand uns wieder der nervige Terminalwechsel bevor. Das Rollband zwischen den Terminals war noch immer im Bau und die Tatsache, dass ein besonders eiliger Passagier seinen Koffertrolley einfach auf dem Band stehen ließ, um seinen Flug noch zu erreichen, bescherte allen anderen am Ende des Bandes einen gehörigen Stau. Um 13 Uhr ging unser Anschlussflug nach Leipzig, der ohne irgendwelche Zwischenfälle verlief. Dafür war beim Aussteigen aus dem Flugzeug Vincents Buggy nicht da. Bisher hatte das immer völlig problemlos geklappt, aber diesmal wartete er einfach nicht am Ausgang auf uns. Auf Nachfragen beim Personal erfuhren wir, dass er wohl mit dem Gepäck ausgeladen wird. Wenn wir ihn beim Aussteigen haben wollten, hätten wir das beim Check-in sagen müssen. Am Ausgang warteten wir dann noch eine geschlagene Stunde auf den Shuttlebus unseres Hausbetreuers. Dann hatten wir die Warterei satt und nahmen uns ein Taxi. Zu Hause angekommen informierte uns ein Aushang, dass der Hausbetreuer bereits im vorigen Monat gekündigt hätte und noch nicht für alle Services, die er betreut hat, ein geeigneter Ersatz gefunden wäre. Na, das hätte er uns freundlicherweise vor drei Wochen schon sagen können, als er uns zum Flughafen gefahren hat. Herzlich willkommen zurück in unserem freundlichen Heimatland Deutschland! Nur gut, dass wir noch eine Weile von den tollen Erinnerungen eines Traumurlaubs in Kanada zehren können…


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