Unsere Reise durch die Kanadischen Rockies



8. Tag:

Der Tag begann sonnig, wir standen gegen 8:30 Uhr auf und verließen den Campground um 9:45 Uhr in Richtung Transcanada Highway. Nach einem kurzen Stopp am Barrier Lake erreichten wir gegen 11 Uhr Canmore. Nach einem kurzen Einkauf im Safeway fuhren wir weiter nach Banff. Wir stellten unser Motorhome auf einem Parkplatz ab und spazierten auf der Banff Ave. entlang. Da uns der Hunger plagte und wir uns davon den Eindruck dieses hübsch herausgeputzten Städtchens nicht vermiesen lassen wollten, suchten wir nach einem Imbiss. Allerdings konnten wir nirgends etwas entdecken, wo man schnell ein Slice Pizza to go oder ähnliches hätte kaufen können. Essen war prinzipiell mit Hinsetzen in einer Gaststätte verbunden. Dazu hatten wir mit unserem Sohn weder die Lust, noch die Zeit. Bei Subway stand eine Riesenschlange, also blieb am Ende nur der Mc Donald´s. Nach einer Weile wurde uns auch klar, warum es hier keinen Straßenverkauf gab. Der Geruch hätte mit Sicherheit sofort Bären in die Straßen gelockt…Nach dieser kurzen Stärkung schlenderten wir bis zur Brücke über den Bow River und anschließend wieder zurück, wobei wir noch durch einige Läden stöberten. Kaum waren wir wieder am Wohnmobil, begann es mal wieder zu regnen. Die Fahrt auf den Sulphur Mountain fiel damit wohl erst mal aus und auf ein Bad in den heißen Quellen hatte Vincent partout auch keine Lust. Also fuhren wir zum Surprise Corner, um einen Blick auf das Banff Springs Hotel und die Bow Falls zu erhaschen. Aber der Regen wurde stärker und so trauten wir uns gar nicht aus dem Wohnmobil heraus. Vincent war inzwischen in seinem Kindersitz eingeschlafen und so beschlossen wir, heute nicht wie geplant nach Lake Louise zu fahren, sondern hier zu übernachten. Schließlich hatten wir gleich zum Beginn unserer Reise einen Reservetag herausgefahren, den konnten wir hier nutzen. Wir checkten auf dem Tunnel Mountain Campground ein (26$, Powered Site), tranken eine Tasse Kaffee und aßen Donuts dazu. Nach einer Weile wachte Vincent wieder auf und da es gerade aufklarte beschlossen wir, doch noch auf den Sulphur Mountain zu fahren. Die Fahrt mit der Seilbahn kostete 21,50$ p.P., da das Wetter aber aushielt, war das Geld gut angelegt. Von oben bot sich ein phantastischer Ausblick auf Banff, das Tal der Bow River sowie die umliegenden Berge und Täler. Wir liefen den Vista Trail bis zum Gipfel und genossen weiter die tolle Aussicht. Vincent fand vor allem den Hubschrauber, der unermüdlich irgendwelche Tonnen von der Talstation nach oben brachte, faszinierend. Bei der Talfahrt wurde von allen Passagieren ein Foto gemacht, das man unten im Shop für 15$ kaufen konnte. Eigentlich sind wir ja gegen solche Touristenfallen immun, aber Doreen fand uns drei auf dem Bild so gut getroffen, dass wir es schließlich doch kauften… schließlich war es unser Urlaub! Zu den Upper Hot Springs sind wir dann aber doch nicht mehr gefahren, zum Baden hatte irgendwie keiner von uns Lust. Stattdessen fuhren wir auf dem Weg zum Zeltplatz noch mal am Surprise Corner vorbei, um nun endlich das Pflichtfoto vom Banff Springs Hotel einfangen zu können. Aber obwohl das Wetter diesmal passte, war es dennoch nicht ganz einfach. Auf der Plattform war eine kleine Gruppe Japaner. zwei Männer und eine Frau mir ihrem Neugeborenen. Natürlich war klar, dass die erst ihre Fotoorgie beenden mussten, bis andere mal für ein Bild herantreten durften. Aber in dieser extremen Form hatten wir das bisher nie erlebt. Das Zauberwort hier hieß Digitalkamera. Diese bietet ja den Vorteil, dass man gleich sieht, ob und wie gut das Bild geworden ist… was für alle anderen Touristen ein klarer Nachteil ist. Denn so fängt der Japaner an, nach Perfektion zu streben: doch noch zwei Schritte nach links, nein, einen wieder nach rechts, das Kind auf den anderen Arm bitte, den rechten Mundwinkel einen Zentimeter höher… Japaner mit Digitalkameras, ein absoluter Fluch für alle anderen Touristen! Nachdem wir unser Bild dann endlich auch machen durften, fuhren wir zum Zeltplatz. Unterwegs konnten wir noch lange Zeit ein Reh direkt am Straßenrand beobachten. Auf dem Zeltplatz angekommen, ging Andreas noch kurz unter die Dusche, dann gab es Abendbrot und anschließend ging es bald ins Bett… bei dem schon wieder einsetzenden Regen sicher nicht die schlechteste Entscheidung.


9. Tag:

Um 8 Uhr war Aufstehen angesagt, nach dem Frühstück wurden noch die Abwassertanks geleert und der Frischwassertank nachgefüllt, dann ging es gegen 10 Uhr los. Es war sonnig und wir fuhren zuerst zum Aussichtspunkt auf die Tunnel Mountain Hoodoos. Das sind ein paar Gesteinssäulen am Hang im Tal des Bow Rivers, kein Vergleich mit den Prachtexemplaren bei Rosedale oder im Writing-on-Stone P.P., aber dennoch ganz nett. Weiter ging es zum Lake Minnewanka, einem wunderschönen Panoramasee. Hier gibt es die Möglichkeit zu einer Bootsfahrt, also spazierten wir zur Anlegestelle und erkundigten uns nach der nächsten Abfahrt. Die sollte jedoch erst in zwei Stunden sein. So lange wollten wir nicht warten, also setzten wir unsere Fahrt fort. Wir zweigten vom Highway 1 ab und nutzten die Scenic Route 1A zum Johnston Canyon. Hier hatten wir Mühe, noch einen Parkplatz für unser großes Vehikel zu finden und während wir noch überlegten, ob sich die Wanderung lohnte, parkte uns der nächste gnadenlos zu. Damit war die Frage geklärt, Zeit hatten wir jetzt jedenfalls dafür. Wir wanderten durch den wunderschönen Canyon vorbei an den Lower Falls bis zu den Upper Falls. Unterwegs boten sich immer wieder tolle Ausblicke auf die Schlucht und einige kleinere Wasserfälle. Auf dem Hinweg marschierte Vincent über weite Strecken tapfer mit, rückwärts übermannte ihn aber die Müdigkeit und er wurde abwechselnd von Doreen und Andreas auf die Schultern genommen. Das Wetter hielt größtenteils auch durch bis auf ein paar kleinere Nieselschauer zwischendurch. Zurück am Wohnmobil machten wir erst mal Mittagspause, dann fuhren wir weiter nach Lake Louise. Es begann wieder zu regnen und so fuhren wir zuerst auf den Campground. Hier bekamen wir zum ersten mal etwas vom Mitarbeiterstreik der National Park Services mit. Die Rezeption war nicht besetzt und man musste sich selbst registrieren. Der Platz war riesig und wunderschön im Wald gelegen. Einziger Wermutstropfen: er lag direkt neben der Bahnlinie und jeder Zug machte sich mit lautem Hupen bemerkbar. Wir suchten uns einen schönen powered Site (26$), dann gab es erst mal Kaffee und Donuts. Neben uns checkte ein junges Paar aus Darmstadt ein und wir kamen kurz ins Gespräch. Dann beschlossen wir trotz Regens wenigstens einen Blick auf den See zu werfen, der als der schönste in den Rocky Mountains gilt. Wir fuhren die Straße hinauf zum Parkplatz, als es auf einmal einen Stau gab. Erfahrungsgemäß reckten wir die Hälse und entdeckten einen kapitalen Elch, der auf der anderen Straßenseite durch das Unterholz marschierte, eine große Traube Touristen hinter sich herziehend. Wir kämpften uns weiter bis zum Chateau Lake Louise, aber aufgrund des zunehmenden Regens beschlossen wir, doch wieder umzukehren und morgen wiederzukommen. Auf dem Rückweg sahen wir, wie Polizei und Ranger nachdrücklich versuchten, die Leute wieder zum Einsteigen in ihre Fahrzeuge zu bewegen und den Stau auf der Zufahrt zum See und dem Chateau zu beseitigen. Zurück auf dem Campground verbrachten wir den Rest des Nachmittags mit Spielen im Wohnmobil. Nach dem Abendessen ging Vincent ins Bett, wir beschlossen den Abend mit Postkartenschreiben bei einer Flasche Wein.


10. Tag:

Heute hatten wir wieder viel vor, also war um 7 Uhr Aufstehen, Frühstücken und Losfahren angesagt. Kurz nach 9 Uhr erreichten wir wieder den Lake Louise. Es war noch immer leichter Regen, aber diesmal mussten wir einfach durch. Wir spazierten zum See hinunter und waren erst mal enttäuscht, dass man den Victoria Gletscher nicht sehen konnte; alles total diesig. Wir spazierten ein Stück am See entlang, um zumindest das Pflichtfoto vom Chateau Lake Louise machen zu können. Auf Grund des schlechten Wetters haben wir jedoch weder die Wanderung zum Mirror Lake und dem Teehaus am Lake Agnes noch den Plain of Six Glaciers Trail gemacht. Wir fuhren anschließend zum Moraine Lake, doch auch hier war der Himmel leider völlig zugezogen. Die phantastische türkisgrüne Färbung des Sees war zwar faszinierend, aber von den umliegenden Bergen war absolut nichts zu sehen. So ein Pech aber auch! Wir setzten uns wieder in unser Motorhome und beschlossen, in den Yoho N.P. zu fahren. Am Abzweig zum Lake O´Hara fuhren wir gleich vorbei, da es noch immer völlig zugezogen war. Den ersten Halt machten wir an den Spiral Tunnels. Das sind zwei 270°-Tunnel, die hier für die Eisenbahn in den Berg getrieben wurden, um die vielen durch das starke Gefälle verursachten Unfälle auf dieser Strecke zu vermeiden. Wir warteten ca. 40 Minuten auf einen der langen Güterzüge, die man am Ende des Tunnels schon wieder herausfahren sehen kann, während am Tunneleingang noch längst nicht alle Waggons hinein gefahren sind. Wir nutzten diese Pause wieder mal, um inzwischen im Wohnmobil Mittag zu essen. Anschließend fuhren wir weiter zur Natural Bridge, wo sich der Kicking Horse River durch einen selbst gegrabenen Durchfluss unter einer großen Felsplatte zwängt. Hier zeigte Vincent mal wieder sein Böckchen, also brauchten wir mal wieder ein Highlight für ihn (der lange Zug schien wohl nicht genug zu sein). So beschlossen wir, eine Bootsfahrt auf dem Emerald Lake zu machen. Auch dieser See besticht durch seine tief türkiesgrüne Färbung. Da das Wetter momentan ganz passabel aussah und ab und zu sogar die Sonne durch die Wolken blinzelte, wagten wir das Risiko und mieteten ein Boot für eine halbe Stunde. Und wir sollten es nicht bereuen. Die Ausblicke auf die umliegenden Berge und Wälder waren spektakulär, Vincent durfte ab und zu mitrudern und war damit auch zufrieden und unser aller Laune besserte sich auch. Die letzten Minuten der Bootsfahrt verschlief unser Sohn allerdings, es war halt genau die Zeit für seinen Mittagsschlaf. Wir fuhren wieder zurück, zweigten dann jedoch auf die Straße zu den Takkakaw Falls ab. Die Serpentinen waren mit unserem knapp 10 Meter langen Wohnmobil aber nicht ganz einfach zu fahren. Die erste Kurve haben wir noch ganz gut geschafft, bei der zweiten war aber wirklich Schluss. Also sind wir rückwärts bis zur ersten Kurve zurückgerollt, haben da gewendet und fuhren rückwärts wieder zur zweiten Kurve hinauf. Dort konnten wir dann vorwärts weiterfahren. Die Takkakaw Falls boten ein gigantisches Schauspiel. Hier schießt das Schmelzwasser des Daly-Gletscher über die Kante einer steil abfallenden Felswand und fällt mit lautem Getöse 254 Meter in die Tiefe. Wir gingen bis zum Fuß des Wasserfalls und Vincent hatte wieder viel Spaß beim Steine ins Wasser werfen. Anschließend traten wir die Rückfahrt nach Lake Louise an. Die Serpentinen mussten wir wieder vorwärts – rückwärts – vorwärts fahren, aber diesmal waren wir ja gewarnt. In Field hieß es mal wieder Volltanken… und es waren wieder 27l/100km. Unser Motorhome hatte einen recht konstanten Durst, unabhängig von Gelände oder Höhenlage. Wir fuhren zum Campground, belegten unseren Platz für eine weitere Nacht und brachen dann wieder auf, um noch einmal zum Lake Louise zu fahren. Das Wetter im Yoho N.P. hatte den ganzen Nachmittag durchgehalten, vielleicht hatten wir ja jetzt auch hier Glück mit dem Panorama. Andreas zog noch einmal mit Kamera und Stativ los, während Doreen mit Vincent im Wohnmobil blieb. Und tatsächlich, im Licht der letzten Sonnenstrahlen konnte man jetzt den Victoria Gletscher sehen. Das machte uns Mut auch noch mal zum Moraine Lake zu fahren, auch wenn inzwischen die Dämmerung einsetzte. Auch hier zog Andreas allein mit der Fotoausrüstung los. Doreen nutzte die Gelegenheit, dass Vincent gerade wieder mal eingeschlummert war, um Ihre Kenntnisse aus dem Krankenschwester-Crashkurs anzuwenden und zog inzwischen die Fäden an Vincents Platzwunde. Das Licht am Moraine Lake schwand zwar schon allmählich, aber die umliegenden Berge waren alle sichtbar und mit dem Stativ und entsprechend langer Belichtungszeit gelangen endlich auch hier die ersehnten Pflichtfotos. Außerdem war die Stimmung um diese Tageszeit, wenn sich der Touristenrummel gelichtet hat, einfach traumhaft. Wir fuhren noch einmal nach Lake Louise ins Visitors Village, kauften ein paar Postkarten und zogen uns dann auf unseren Campground zurück. Nach dem Abendbrot schieben wir noch einige Urlaubsgrüße und probierten eine Hawaii-Ananas, die wir am Tag zuvor im Safeway in Canmore gekauft hatten. Lecker… sie erinnerte uns so richtig an unseren letzten großen Urlaub.


11. Tag:

Heute sollte die Fahrt über den Icefield Parkway gehen und wir hofften inständig, dass das Wetter ein Einsehen mit uns hatte. Um 7:30 Uhr standen wir auf und frühstückten, dann fuhren wir noch mal ins Village um einen größeren Stapel Urlaubsgrüße zur Post zu bringen. Durch unsere Fotoaktion gestern Abend war Vincent um seine Zeit auf dem Spielplatz gekommen, das holten wir heute Morgen nun auch noch nach. Aber das Wetter spielte nach wie vor nicht so recht mit und so mussten das wir wegen des stärker werdenden Nieselregens auch bald abbrechen. Wir verließen Lake Louise gegen 10:30 Uhr, relativ spät bei dem, was wir alles noch vorhatten. Die ersten Stopps legten wir bei den Viewpoints am Hector Lake und am Bow Lake ein. Bei letzterem trafen wir ein Paar aus Taucha bei Leipzig, das ganz zielgerichtet auf uns zukam. Es stellte sich heraus, dass es Bekannte aus Andreas´ Fitnessstudio waren. Klar wurde vor einiger Zeit mal darüber gesprochen, dass wir zur gleichen Zeit mit dem Wohnmobil in Kanada unterwegs sind, aber dass wir uns so völlig unverabredet hier trafen, war doch ein großer Zufall. Die Welt ist halt doch ein Dorf. Es folgte noch ein Halt am Waterfowl Lake, bevor wir den Peyto Lake Lookout erreichten. Hier herrschte kräftiges Schneetreiben, so dass der See kaum zu erkennen war, vom tollen Bergpanorama ganz zu schweigen. Aber da gerade zwei Busse mit koreanischen Touristen angekommen waren, mussten wir ohnehin eine Weile warten, bis wir ein wenig Ruhe zum Genießen des Ausblicks hatten. Mittlerweile hatte der Schneefall etwas nachgelassen und die Wolkendecke gab sogar den Blick auf die Bergkette hinter dem Peyto Lake für kurze Zeit frei. Wir fuhren weiter, aber am Mistaya River Canyon hatte uns der Regen wieder eingeholt (oder wir den Regen?!). Also versuchten wir wieder unseren altbewährten Trick und gaben dem Wetter Zeit sich zu bessern, während wir Mittagessen kochten. Doch diesmal hatte Petrus kein Einsehen und mit unserem schon wieder schläfrig gewordenen Vincent war die Wanderung bei diesem Wetter nicht denkbar. Also verzichteten wir schweren Herzens darauf und fuhren weiter. Am Rocky Mountain House machten wir einen kurzen Kaffeestopp und –oh Wunder- die Wolkendecke riss auf und wir hatten bestes Panoramawetter. Ein bisschen spät, aber immerhin. Nächster Halt war am Weeping Wall Viewpoint, wo die Straße auf einer großen Schleife bergan klettert und man einen phantastischen Blick auf dem im Tal verlaufenden Icefields Parkway hat. Um 15:30 Uhr erreichten wir die Parker Ridge. Hier führt ein steiler Wanderweg etwa 2,5 km zu einem Aussichtspunkt, von wo aus man einen Blick auf den Sasketchewan Gletscher sehen kann. In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit verzichteten wir aber auch auf diesen Spaziergang, auch wenn das Wetter doch recht einladend aussah. Kurze Zeit später kamen wir am Columbia Icefield an. Es war sonnig und ob nun spät oder nicht, hier hielten wir an und spazierten auf den Athabasca Gletscher. Vincent hatte ziemlichen Spaß im Schnee und staunte über den großen Schneemann, den irgendjemand am Ende des für Fußgänger freigegebenen Bereiches gebaut hatte. Gegen 16:45 Uhr fuhren wir weiter und machten noch einige kurze Stops an den Tangle Creek Falls, den Sunwapta Falls und den Athabasca Falls. Hier trafen wir die beiden Tauchaer wieder, die uns erzählten, der Mistaya River Canyon sei sehr schön gewesen, auch wenn das Wetter nicht so besonders war. Sie wollten nun weiter auf dem Hwy. 93A nach Jasper und wir verabredeten uns auf einen „Absacker“ auf dem Whistlers Campground. Wir spazierten noch ein wenig an den Athabasca Falls entlang und nahmen dann die schnelle Route über den Hwy. 93 nach Jasper, da wir unbedingt noch einmal zum Einkaufen mussten. In Jasper angekommen fuhren wir zunächst zum Campground. Hier überraschte erst ein mal eine Herde Hirsche, die sich auf dem Zeltplatz niedergelassen hatte, die Besucher. Besonders der Bulle war ein ganz kapitaler Bursche und zog die Linsen aller Videokameras und Teleobjektive auf sich. Auf dem Zeltplatz bekamen wir aber nur noch einen unpowered Site (22$), alles andere war bereits belegt. Dann fuhren wir in den Ort und besorgten kurz das nötigste zum Abendbrot (Brot, Butter, Toast für den nächsten Morgen etc.). Da Vincent heute meist nur nach unserer Pfeife tanzen musste, durfte er in einem Spielwarengeschäft so lange er wollte mit einer dort aufgebauten Eisenbahn spielen (Thomas, die kleine Lokomotive hatte es ihm sehr angetan) und sich dann ein Spielzeug aussuchen. Da aber keine erschwingliche Eisenbahn zu bekommen war, entschied er sich letztlich für einen kleinen Schulbus. Zurück auf dem Campground füllten wir zunächst den Frischwassertank auf und suchten dann unseren Platz. Das Gelände war riesig und nachdem wir unseren Stellplatz gefunden hatten, mussten wir einsehen, dass es aussichtslos war, nach Bekannten Ausschau zu halten, ohne deren Stellplatznummer zu kennen. Außerdem war es inzwischen dunkel geworden, also aßen wir nur noch rasch Abendbrot und huschten anschließend alle drei rasch ins Bett.


12. Tag:

Die erste Nacht auf einem unpowered Campsite war eigentlich auch nichts anderes. Allerdings führte nach dem Aufstehen der erste Gang nach draußen zum Generator Anwerfen. Dann konnten wir heizen und elektrische Geräte wie Mikrowelle und Toaster benutzen, sprich: in aller Ruhe frühstücken. Anschließend leerten wir unsere Abwassertanks und verließen den Campground gegen 9:30 Uhr. Nicht allerdings, ohne uns gleich einen powered Site für die nächste Nacht zu sichern. Auf der Fahrt sahen wir immer wieder Hirsche an der Straße, wir hatten inzwischen bereits so viele davon gesehen, dass wir nicht mehr bei jedem einzelnen anhielten. Den ersten Stop machten wir am Maligne Canyon. Am Trailhead lasen wir die üblichen Warnungen vor Bären, wie wir sie nun schon öfter gesehen hatten. Aber noch ein weiteres Schild warnte die Besucher: ´Cougar in Area´. Na, das ist doch mal was neues! Wir gingen den Loop Trail, der immer wieder neue, imposante Einblicke in den bis zu 50 Meter tiefen und stellenweise nur 2 Meter breiten Canyon bietet. Anschließend gingen wir noch ein Stück weiter in den Canyon. Allerdings wurde der Weg immer unebener und wurde durch viele Treppen unterbrochen und da wir Vincents Buggy dabei hatten, entschlossen wir uns an der dritten Brücke zur Umkehr. Den Puma haben wir zwar nicht gesehen, aber dennoch war es eine sehr lohnenswerte Wanderung. Wir fuhren weiter, vorbei am Medicine Lake, der jedes Jahr im Herbst nahezu völlig leer läuft und sich erst im Frühjahr langsam wieder füllt. Da er keinen sichtbaren Abfluss hat, bezeichneten die Indianer dieses Phänomen als ´böse Medizin´ und so bekam der See seinen Namen. Kurz vor 12 Uhr erreichten wir den Maligne Lake. Das Wetter war trüb und der Himmel mal wieder zugezogen. Dennoch lösten wir die unverschämt teuren Tickets (37$ p.P., mit. AAA-Rabatt immer noch 31,50$!) für die Bootsfahrt um 13 Uhr, denn den Blick auf Spirit Island wollten wir uns trotz des miesen Wetters nicht entgehen lassen. Wir hatten noch eine knappe Stunde Zeit, die nutzten wir zum Mittagessen im Restaurant. Wir beide aßen das Chili, das übrigens ganz ausgezeichnet war, Vincent wollte die Vegetable Soup mit Brötchen. Mit ein paar Minuten Verspätung ging die Fahrt los. Das Wetter hatte sich leider nicht gebessert und so konnte man auf der Hinfahrt oftmals kaum das andere Ufer sehen, von den Berggipfeln ganz zu schweigen. Der Tourguide versuchte das durch unentwegtes Erzählen zu kompensieren, was die Fahrt nicht unbedingt besser machte. Kurz vor Ankunft riß aber ein Teil der Wolkendecke auf und gab einen kurzen Blick auf einige Gipfel frei. Dann hatten wir die kleine Halbinsel mit der meistfotografierten Baumgruppe der Rocky Mountains erreicht. Wir konnten aussteigen, uns für zehn Minuten die Füße vertreten, den Blick über Spirit Island schweifen lassen und natürlich das obligatorische Foto machen. Dann ging es wieder zurück. Auf der Rückfahrt klart es ein wenig auf und wir können erahnen, in welch zauberhafte Umgebung der See eingebettet ist. Vincent erlebt davon allerdings nicht viel… es war halt wieder genau die Zeit seines Mittagsschlafs. Auf der Rückfahrt nach Jasper machen wir einen kleinen Abstecher auf den Highway nach Edmonton. Wir hatten im Vista Point Reiseführer ein Bild entdeckt, dass die Straße auf einem schmalen Stück Landmasse zwischen zwei Seen zu Füßen eines Berges zeigte, was natürlich absolut spektakulär aussah. Genau diese Stelle wollten wir finden. Natürlich war das Bild von einem erhöhten Standpunkt aus gemacht worden, so dass es von der Straße aus gar nicht so einfach war, den Punkt zu finden. Aber als unser GPS zur linken den Jasper Lake und zur rechten den Talbot Lake anzeigte und sich vor uns das Massiv des Roche Miette aus den Wolken abhob, mussten wir die gesuchte Stelle erreicht haben. Andreas suchte mit Kamera und Fotoapparat nach einem Weg auf die nächste Anhöhe und tatsächlich: das war er, der Blick auf den Yellowhead Highway. Sehr lohnenswert auch ohne den schon wieder im Nebel verschwindenden Roche Miette. Ein klein wenig versöhnt für die vernebelte Maligne Lake Cruise fuhren wir zurück nach Jasper. Vielleicht zog es dort auch noch mal auf, so dass sich die Seilbahnfahrt auf den Whistlers Mountain lohnt…? Tat es aber nicht, und so verbrachten wir den Abend mit Shopping im Ort. Vor dem Bahnhof besichtigten wir die große alte Dampflok und in Bahnhofsshop entdeckten wir für Vincent doch noch einen kleinen Spielzeugzug für nur 12$. Außerdem durfte er wieder im Spielzeugladen mit der Eisenbahn spielen und war damit versöhnt dafür, dass wir heute wieder keinen Spielplatz für ihn gefunden hatten. Wir fuhren noch rasch an die Tankstelle und anschließend zurück zum Campground. Hier war nun doch noch ein wenig Zeit für Vincent, um im Sand zu spielen und die Hirsche zu beobachten, während Doreen und Andreas abwechselnd duschten. Danach gab es Abendbrot und zum Abschluss des Abends noch einen Tropfen guten Kanadischen Weins.


13. Tag:

Um 8 Uhr standen wir auf und machten erst mal die Heizung an. Es war eine sehr kalte Nacht gewesen. Wir frühstückten und checkten anschließend gegen 9:40 Uhr aus. Unser Ziel heute Vormittag war der Mount Edith Cavell, wir wollten hier auf dem Path of the Glacier Trail zum Angel Glacier laufen. Aber unser Tatendrang wurde jäh gebremst, als wir vom Hwy. 93A den Abzweig auf die Mount Edith Cavell Road nehmen wollten. Dort warnte ein Schild, dass die Straße für Motorhomes über 7 Meter Länge nicht erlaubt ist. Jetzt waren wir erst mal platt. Davon hatten wir bisher in keinem Reiseführer gelesen. Unser Motorhome war knapp 10 Meter lang und nachdem, was wir schon auf der Zufahrt zu den Takkakaw-Falls erlebt hatten, trauten wir uns auch nicht, dieses Verbot hier einfach zu ignorieren. Sehr enttäuscht kehrten wir wieder um. Ein Blick zum Himmel brachte außerdem die Gewissheit, dass es sich auch heute nicht lohnen würden, mit der Seilbahn auf den Whistlers Mountain zu fahren und damit waren alle Aktivitäten, die wir uns noch für Jasper vorgenommen hatten auf einmal abgehakt. Wir fuhren noch einmal zurück zum Whistlers Campground, um dort unsere Abwassertanks zu leeren und den Frischwassertank aufzufüllen. Dann gingen wir im Ort noch einmal einkaufen und überlegten, ob wir statt der geplanten Wanderungen noch zum Patricia Lake und zum Pyramid Lake fahren sollten. Aber bei dem wolkenverhangenen Himmel erwartete uns da sicher auch kein spektakuläres Panorama und so beschlossen wir, Jasper zu verlassen und in Richtung Mt. Robson P.P. zu fahren. Vincent fängt auch noch an zu bocken, schläft aber dann bim Schimpfen und Lamentieren ein. Nach kurzer Zeit verlassen wir auch die Provinz Alberta und sind ab jetzt in British Columbia. Das beschert uns eine Stunde Zeitgewinn, denn wir müssen die Uhren entsprechend zurückstellen. Am Mount Robson Visitors Center angekommen machen wir eine kurze Pause und treffen dort unsere Tauchaer Bekannten wieder. Auch sie sind offensichtlich vor dem schlechten Wetter in Jasper geflüchtet und erzählten, dass sie mit ihrem doch etwas kleineren Wohnmobil auch nicht zum Mt. Edith Cavell gekommen waren. Sie hatten das allerdings schon vorgestern versucht, als sie über den Hwy. 93A nach Jasper kamen. Als wir das Visitors Center verließen, riss die Wolkendecke kurz auf und wir konnten einen kurzen Blick au die Flanke des Mount Robson werfen. Der Gipfel hüllte sich jedoch weiter in dichte Wolken. Wir hofften, am Mount Terry Fox Viewpoint mehr Glück zu haben und fuhren deshalb weiter. Aber auch dort blieb der Himmel wolkenverhangen und wir griffen zu unserem letzten Geheimtrick. Wir blieben einfach auf dem Parkplatz stehen und machten Mittagessen (Red Snapper. Lecker!) Aber auch das half heute nichts, war es bisher wenigstens in niedrigen Lagen klar, so begann es jetzt immer weiter zuzuziehen und wir gaben den Gedanken an ein Foto vom Mount Robson auch endgültig auf. Also fuhren wir weiter nach Tête Jaune Cache, was eigentlich unser heutiges Tagesziel sein sollte. Da es hier aber absolut nichts Interessantes gab und es noch so früh am Tage war, beschlossen wir bis Clearwater weiter zu fahren. Das beschert uns morgen einen ganzen Tag Zeit für den Wells Gray P.P. Wir machten noch einen kurzen Stop in Blue River für eine Kaffeepause mit Donuts, dann fuhren wir durch bis Clearwater. Dort wollten wir eigentlich auf dem KOA einchecken, aber der sah so heruntergekommen und lieblos angelegt aus, dass wir nach einer Platzrunde gleich wieder durchstarteten. Wir warfen einen Blick in den Woodall´s und sahen, dass in Clearwater und im Wells Gray P.P. noch jede Menge Campgrounds geöffnet hatten. Wir suchten uns das Dutch Lake Resort heraus, blieben aber auf dem Weg dahin am Dutch Lake Motel & RV Campground hängen. Ein kleiner Platz unterhalb des Motels, mit einem knappen Dutzend Stellplätzen direkt am See. Daneben eine handgezimmerte Schaukel in den Baum gehängt, großzügige Fireplaces und außer uns noch kein Mensch da. Mit einem Wort: traumhaft… unsere Suche für heute war beendet (Power & Water, 28$ + Tax). Andreas versuchte sofort wieder ein Lagerfeuer zu entfachen, aber das Holz vom Mt. Kidd RV Park wollte einfach nicht anbrennen. Also ging er noch mal ins Office, um ein paar weitere Scheite Feuerholz und einige Zeitungen zum Anzünden zu holen, während Doreen und Vincent das Abendessen vorbereiteten. Andreas kam mit dem Besitzer zurück, der ihm zeigte, wo das Holz zu holen sei (12 Scheite für 5$) und während Andreas noch beim Holz holen war, zündete der Hotelchef inzwischen das Feuer an, ganz professionell und nach Indianerart… mit einem Feuerzeug und einem halben Kanister Benzin. Nun ja, so viel zur Kunst des Feuermachens. Nebenbei war noch ein Freund des Hauses an den See gekommen und es entwickelte sich ein kleines Gespräch. Es war ein ehemaliger Deutscher, der vor sechs Jahren nach Kanada gekommen war, sich hier eine Existenz als Tour Guide aufgebaut hat und nun um keinen Preis mehr zurück ins hektische Deutschland möchte. Als das Feuer gut durchgebrannt war, legten wir Würstchen auf den Grill und aßen Abendbrot neben dem Lagerfeuer. Anschließend ging Vincent ins Bett und wir setzten uns noch mit einer Flasche Wein ans Feuer, bis auch der letzte Scheit heruntergebrannt war.


14. Tag:

Es war wieder eine sehr kalte Nacht. Wir standen um 8 Uhr auf, frühstückten und fuhren gegen 9:30 Uhr los zum Wells Gray P.P. Am Visitors Center machten wir einen kurzen Halt und besorgten uns eine Übersichtskarte vom Park. Dann ging es weiter, aber nach ein paar Kilometern schaute Andreas besorgt auf die Tankanzeige und beschloss, lieber noch mal zurück nach Clearwater zu fahren und voll zu tanken. Bei der Gelegenheit füllten wir auch gleich den Propangastank auf, welches wir für die Heizung, den Herd und den Kühlschrank benötigten. Dann starteten wir aber wirklich durch und fuhren in den Park. Erster Stop war am Spahats Creek Lookout. Vincent bockte mal wieder und Doreens Laune wurde dadurch auch immer schlechter. Am Ende stritten wir uns sogar, ob es hier noch einen Wasserfall gibt oder nicht. Ergebnis: Andreas lief mit Kamera und Fotoausrüstung den Walking Track an der Felskante zurück, Doreen fuhr mit Vincent im Wohnmobil bis zum letzten Parkplatz. Der Track führte quer durch das dichte Unterholz, vorbei an den Spahat Falls zum Parkplatz. Dort angekommen hatten Doreen und Vincent noch nicht wieder Frieden geschlossen, waren sih aber insofern einig, dass beide keine Lust hatten, auszusteigen und zu den Spahat Falls zu laufen. Also fuhren wir weiter zu den Dawson Falls, über dessen 91 Meter breite und 18 Meter hohe Kaskade der Murtle River donnert. Inzwischen bocken sowohl Vincent als auch Doreen, also geht es wortlos weite bis zu den Helmcken Falls, dem Aushängeschild des Wells Gray P.P. Wir spazierten vom Parkplatz zum Lookout und ein wenig an der Felskante entlang, dann liefen wir zurück zum Wohnmobil und kochten Mittagessen. Anschließend fuhren wir weiter zum Bailey´s Chute. Hier führt der Weg durch einen uralten Wald hin zu einem Lookout, wo man Ende August bis Anfang September Lachse sehen kann, die mit großen Sprüngen versuchen, die Stromschnellen zu überwinden. Leider hatten wir nicht das Glück, dieses Schauspiel beobachten zu können, aber Vincent hatte großen Spaß, zwischen den Stämmen der riesigen, alten Bäume Versteck zu spielen und so besserte sich wenigstens unsere Laune. Wir fuhren weiter auf der inzwischen auf eine Gravelroad reduzierten Straße, vorbei an vielen schönen, teilweise versteckten Seen, wie dem Alice Lake und dem Shadow lake bis zum Clearwater Lake. Dort spazierten wir ein wenig umher, liefen zu den Osprey Falls und traten anschließend die Rückfahrt nach Clearwater an. Wir machten noch einen kurzen Stopp an der Wells Gray Guest Ranch und überlegten, ob wir dort zum Abendessen bleiben sollten. Aber ein Blick in den wunderschön gestalteten Saloon zeigte, dass wir die einzigen Gäste gewesen wären, also ließen wir es dann doch sein. Wir fuhren zurück nach Clearwater und versuchten, noch ein paar Dinge einzukaufen. Aber es gab weit und breit keinen Laden mehr, der noch geöffnet hatte. Also suchten wir uns einen Campground für die Nacht und probierten heute, trotz dem es uns letzte Nacht sehr im Dutch Lake Motel & RV Campground gefallen hatte, das Dutch Lake Resort & RV Park. Hier bekamen wir einen wunderschön am Waldrand mit Seeblick gelegenen Site (Power & Water, 23$) und gingen dann mit Vincent noch einmal auf den Spielplatz. Zum Abendessen entschlossen wir uns, mal nicht selbst zu kochen, sondern gingen ins Lakeside Restaurant. Wir beide probierten ein Wildlachsfilet mit einem Glas Kanadischem Chardonnay, Vincent nahm als Vorspeise eine Banane und entschied sich dann für eine Kinderpizza. Gut gesättigt und rundum zufrieden gingen wir anschließend wieder zurück zu unserem Wohnmobil und huschten schnell alle drei ins Bett.


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