Unsere Wohnmobilreise durch Südnorwegen




20. Tag: Lillehammer – Oslo

Der Tag begann genau so, wie die vergangenen Tage auch: Um 7:30 Uhr piepste der Wecker, wir widerstanden seinem Charme jedoch bis 9 Uhr, dann standen wir auf. Das Wetter war super, es erwartete uns ein blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Da es auch windstill war, räumten wir nach längerer Zeit mal wieder Tisch und Stühle vor die Tür und frühstückten draußen. Die Kinder genossen das schöne Wetter und tobten mit Lisas Buggy und dem Buggy ihrer Puppe Anna übermütig um das Wohnmobil herum. Selbst zum Zähneputzen nahm Lisa ihre Anna und den Buggy mit.

Um 11 Uhr rissen wir sie dann aber aus dem Spiel heraus und verließen den Campingplatz. Zunächst führte uns der Weg nach Maihaugen, einem großen Freilichtmuseum mit einer Sammlung alter Häuser und Gebäuden von Bauernhöfen aus dem Gudbrandstal. Am Parkplatz wurde man sogleich zur Kasse gebeten: 12 NOK pro Stunde bzw. 40 NOK für ein Tagesticket. Wir warfen Münzen für etwa 1,5 Stunden ein, viel mehr Zeit wollten wir hier nicht verbringen, schließlich sollte es heute noch bis nach Oslo gehen. Kaum waren wir auf dem Gelände, bemerkten wir, dass sich sowohl Anzahl der Bilder in der Spiegelreflexkamera als auch der Speicherplatz in der Digitalkamera dem Ende zu neigten. Also lief Andreas noch mal zurück zum Wohnmobil, um einen Ersatzfilm (den letzten!) sowie die zweite Speicherkarte zu holen. Damit war die erste Viertelstunde unserer Parkzeit bereits verstrichen. Um 12 Uhr starteten wir endlich den Rundgang über das sehr weitläufige, liebevoll angelegte Gelände. In vielen Gebäuden gab es Erläuterungen oder Vorführungen von historisch gekleideten Menschen und schon bald wurde uns klar, dass wir die Dimensionen dieser Anlage völlig unterschätzt hatten.

     

Nichts desto Trotz sahen wir uns die vielen alten Hütten genau an, Lisa und Vincent gefielen vor allem die Tiere, die überall dazwischen herumstreunten und wir ließen kaum einen Weg des Areals aus. Gegen 13:15 Uhr meldete sich der Hunger, praktischer Weise gerade, als wir an einem Café vorbei kamen und so beschlossen wir, hier Mittag zu essen.

     

Das Angebot war jedoch ziemlich spärlich, die Preise dafür umso gesalzener. Wir kauften zwei Plinsen, eine Waffel mit Marmelade, ein Rømmegrøt mit Zucker und Zimt sowie ein Wasser, alles zusammen für 149 NOK. Immerhin wurden die Kinder satt und wir bekamen auch von allem eine Kostprobe. Anschließend leisteten wir uns noch je ein Eis für Vincent, Doreen und Andreas und setzten dann unseren Rundgang fort. Die Parkzeit war inzwischen längst abgelaufen und Andreas wurde entsprechend unruhig. Daher handelten wir die Häuser im moderneren Teil Maihaugens etwas kürzer ab, blieben aber dann doch bei einer Live-Show mit Musik und Tanz vor den Stadthäusern des 20. Jahrhunderts eine ganze Weile stehen. Die Stimmung war ganz einfach zu mitreißend, als dass wir daran einfach hätten vorbeigehen können…

     

Um 14:15 Uhr kamen wir schließlich wieder bei unserem Wohnmobil an. Einige Fahrzeuge vor und neben uns, bei denen offensichtlich gar keinen Parkschein sichtbar war, hatten Strafzettel hinter dem Scheibenwischer stecken. Daher schlichen wir mit etwas mulmigem Gefühl um unser Gefährt herum, konnten aber nichts Derartiges entdecken. Glück gehabt! Wir waren ja auch nur knapp eine Stunde drüber…

Wir fuhren ins Zentrum, fanden nach einigem Hin und Her einen Parkplatz in der Nähe der Stadtkirche und konnten mit Vincents und unseren letzten Münzen gerade so einen Parkschein bis 16 Uhr lösen. Das ließ uns zwar nicht üppig viel Zeit, aber für einen kleinen Stadtbummel musste es einfach reichen. Wir schlenderten die Storegata entlang, als Vincent auf einmal seinen Spielfreund Karl auf der Straße entdeckte. So hielten wir denn noch ein kurzes Schwätzchen über die Erlebnisse der letzten Tage. Karl und seine Eltern waren tatsächlich den gesamten Weg durch das Flåmtal mit den Fahrrädern gefahren, hatten im ersten, steilen Abschnitt aber schon ziemlich zu kämpfen gehabt. Anschließend waren sie noch bis Alesund und anschließend über den Trollstigen, die E136 und die E6 hierher gefahren. Ein gewaltiges Pensum für die vergangenen vier Tage, wie wir fanden. Nach einer Weile wurde Lisa auf einmal unruhig und wir bemerkten, dass es sehr streng aus ihrer Windel duftete. Also verabschiedeten wir uns und suchten ein nettes Café, wo Lisa auf der Toilette eine frische Windel bekam. Wir nutzen die Gelegenheit für zwei doppelte Espresso, während sich die Kinder in der Spielecke mit Legosteinen beschäftigten. Auf dem Rückweg zum Wohnmobil kauften wir rasch noch ein paar Sachen zum Abendbrot im KIWI-Markt, wobei wir schon wieder arg auf die Uhr schauen mussten. Um 16:20 Uhr waren wir schließlich zurück und hatten wieder Glück, es hatte sich niemand für unsere überzogene Parkzeit interessiert. Während Doreen die Einkäufe verstaute, machte Andreas rasch noch ein paar Fotos von der Kirche, dann waren wir abfahrbereit.

     

Kurz vor der Auffahrt auf die E6 tankten wir an einer Statoil-Tankstelle noch einmal voll, dann verließen wir Lillehammer in Richtung Oslo. Lisa und Vincent hörten Kinderlieder, nach einer Weile war Lisa eingeschlafen und Vincent schaute „Cars“ von DVD.

Die Fahrt verlief relativ unspektakulär mit im Tempomat eingestellten 80 km/h. Kurz vor dem Abzweig zum Flughafen Oslo gab es auf einmal einen riesigen Stau wegen einer Baustelle. Da Oslo den Zuschlag für die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2011 erhalten hat, wird bis dahin eine Menge an den Zufahrtswegen gebaut. Ähnliches hatten wir ja bereits bei der Fahrt von Whistler nach Vancouver erlebt… Doch auch diese Unterbrechung war irgendwann überstanden, allerdings wurden sowohl Vincent als auch Lisa langsam ungeduldig. Über die ab hier autobahnartig ausgebaute Straße fuhren wir nach Oslo hinein und dann auf den Ring 3 in Richtung Bogstad. Hier kamen wir wieder einmal durch eine automatische Mautstation, an der es nur Kameras gab, keine weitere Möglichkeit zum Bezahlen. Unser Wohnmobilvermieter darf sich also über noch mehr Post freuen…

Gegen 20 Uhr kamen wir endlich auf dem Campingplatz Bogstad, unterhalb des Holmenkollen an. Wir buchten einen Stellplatz für zwei Nächte, parkten unser Wohnmobil rasch auf einem hübschen Stellplatz am Waldrand und während Andreas zum Bezahlen zur Rezeption lief, ging Doreen mit den Kindern bereits auf den Spielplatz. Gegen 20:45 Uhr gab es dann Abendbrot, wobei wir feststellten, dass unser Gefährt offensichtlich eine ziemliche Schräglage hatte: ständig rollten irgendwelche Gegenstände vom Tisch weg. Also parkte Andreas noch einmal kurz um und stellte das Wohnmobil zum ersten und einzigen Mal auf dieser Reise auf Keile, damit es gerade stand. Lisa brachten wir gegen 22:00 Uhr ins Bett und als Andreas noch mit Vincent zum Zähneputzen ging, erfuhren die beiden noch vom 3:2-Halbfinalsieg Deutschlands gegen die Türkei. Vincent schlief daraufhin rasch ein. Wir öffneten noch den gestern bereits kalt gestellten Riesling-Traminer aus dem Saale/Unstrut-Gebiet, besprachen die Planung für die nächsten Tage, Andreas tippte noch ein wenig Reisebericht und dann ging es schließlich um 0:45 Uhr ins Bett.


Gefahrene Strecke: 200 km
Übernachtung: Bogstad Camp & Turistsenter (290 NOK)




  [zurück]   [zur Übersicht]   [weiter]