6. Tag: Hirtshals – Kristiansand
Die Nacht war stürmisch und zum ersten Mal wurde es überhaupt nicht richtig finster. Klar, wir waren am gestrigen Tage ja wieder ein ganzes Stück weiter nach Norden gekommen.
Als wir gegen 8:30 Uhr aufstanden, hatten sich die Wolken verzogen und es herrschte Sonnenschein, aber noch immer ein kräftiger Wind; wenn auch nicht mehr so stark wie gestern. Wir frühstückten, Packten zusammen und bezahlten unseren Stellplatz. Auch hier hatten wir Glück und konnten in Euro bezahlen; notfalls wäre auch die Visa-Karte akzeptiert worden, dann wären aber 5% Aufschlag fällig gewesen.
Wir fuhren zum Color-Line-Terminal und reihten uns in die Schlange der Wartenden ein. Nach etwa einer Stunde legte die M/S Superspeed 1 an und wurde entladen.
Wir staunten nicht schlecht, wie lang der Strom an PKW´s, LKW´s und Wohnmobilen anhielt, die aus dem Inneren der Fähre ans Tageslicht kamen. Dann begann das Boarden. Wir fuhren unser Wohnmobil in die uns zugewiesene Reihe im Bauch des Schiffes und verlustierten uns dann auf dem Passagierdeck. Zunächst erkundeten wir die Aufenthaltsräume, Cafés und Shops und kamen schließlich zur Spielecke, wo wir erst einmal eine Weile blieben. Gegen 13:00 Uhr verließ die Fähre mit etwa 45 Minuten Verspätung den Hafen von Hirtshals und wir bekamen recht bald den bei diesem Wind herrschenden Seegang zu spüren. Andreas wurde etwas flau im Magen, was aber nach etwa 20 Minuten, in denen wir neben dem Glaskasten mit dem Kinder-Bällebad saßen, wieder nachließ. Wir liefen dann noch etwas durch das Schiff, schauten uns im pünktlich nach dem Ablegen geöffneten Duty-free-Shop um und suchten uns dann eine Sitzgelegenheit im Aufenthaltsbereich, denn inzwischen war Doreen infolge des Rollens des Schiffes etwas flau geworden. Lisa bekam davon in ihrem Buggy kaum etwas mit und schlief nach einer kleinen Snackpause bald ein. Andreas spazierte mit Vincent noch ein bisschen auf dem Deck umher und warf auch mal einen Blick nach draußen, bis auch Vincent über leichte Übelkeit klagte. Die beste Ablenkung vom Schwanken des Schiffes gab es sicher beim Herumtollen im Bälleparadies, also gingen Andreas und Vincent für den Rest der Fahrt wieder dorthin.
Kurz nach halb vier erreichten wir den wunderschönen Schärengürtel vor der Küste von Kristiansand und legten etwa eine halbe Stunde später im Hafen an. Wir begaben uns zurück in unser Wohnmobil und konnten kurze Zeit später ohne irgendwelche Kontrollen vom Schiff und weiter in die Stadt fahren. Diese begrüßte uns mehrfach mit dem Slogan „Norwegens meistbesuchte Stadt“, was wir nicht so recht glauben wollten. Sicher lässt sich das auf den Fährhafen mit zahlreichen Verbindungen in andere Länder zurückführen, es schien uns aber dennoch recht unglaubwürdig. Wir schlugen in unserem Reiseführer nach und suchten den dort empfohlenen Wohnmobil-Parkplatz als Ausgangspunkt für einen Bummel durch die Altstadt. Leider entpuppte sich die Zufahrt als recht schwierig, da die Straße dorthin durch Bauarbeiten stark eingeengt war. Nach einer unfreiwilligen Runde durch das Zentrum und einigem Beobachten des Baustellenverkehrs wagten wir uns schließlich doch hindurch. Allerdings konnten wir den Parkplatz nicht finden, da auf dem Gelände gerade ein neues Terminal der TT-Line errichtet wurde. Nach einigem Suchen fanden wir schließlich einen kostenfreien Platz im angrenzenden Industriegebiet und machten uns auf zu einem kurzen Stadtbummel. Wir liefen zum Hafen, sahen uns kurz die alte Festung an und ließen uns anschließend für einige Minuten auf einem Spielplatz nieder. Was uns sofort auffiel war, dass viele junge Väter um diese Uhrzeit (kurz nach 16:30 Uhr) mit ihren Kindern auf dem Spielplatz waren - in Deutschland außer am Wochenende nahezu undenkbar. Nach einer Weile schlenderten wir weiter durch die Altstadt, Posebyen und warfen einen kurzen Blick auf die alte Domkirche. Damit hatten wir die in unserem Reiseführer erwähnten Sehenswürdigkeiten bereits komplett besichtigt und ansonsten gab es leider nicht viel mehr zum Verweilen. Die Geschäfte hatten alle bereits um 17 Uhr geschlossen, Straßencafés oder Kneipen konnten wir überhaupt keine entdecken. Wir zweifelten ernsthaft, ob wir den schon erwähnten Slogan vielleicht falsch verstanden oder einfach das touristische Zentrum der Stadt nicht gefunden hatten.
Im Moment war uns aber nicht nach weiterem Suchen zumute, wir wollten erst mal auf einen Zeltplatz und aufgrund des heute ausgefallenen Mittagessens ein frühes Abendbrot machen. Also liefen wir zurück zum Wohnmobil, blätterten im Reise- und dem ADAC-Campingplatzführer, die beide den Zeltplatz Dvergsnestangen-Senter empfahlen und beschlossen, diesen anzufahren. Die Fahrt dahin gestaltete sich als recht abenteuerlich, über Berg und Tal auf einspuriger Straße und zog sich scheinbar unendlich lange hin. Schließlich erreichten wir den Platz, der in wunderschöner Umgebung lag, ansonsten aber leider von vielen Dauercampern und Baustellen geprägt war. Wir ergatterten noch einen kleinen Stellplatz an der Straße und gingen dann mit den Kindern erst mal auf den sehr schönen, weitläufigen Spielplatz. Nachdem alle Rutschen durchprobiert und natürlich auch das Hopsefeld ausgiebig getestet worden war, gingen wir zum Abendbrot zurück zum Wohnmobil. Lisa fing beim Essen an zu bocken, wollte zuerst alles, aß letztlich aber fast gar nichts und war daraufhin die erste, die ins Bett ging. Vincent schaute noch eine Folge von „Thomas und seine Freunde“, während Andreas eine Dusche nahm – kalt, in Ermangelung eines entsprechenden Tokens, denn die Rezeption hatte inzwischen bereits geschossen.
Nachdem die ganze Aufregung des Tages aufgrund der Überfahrt und des fehlenden Mittagessens von uns abgefallen war, setzten wir uns noch bei einer Flasche Wein zusammen und begossen ein wenig unsere Ankunft in Norwegen.
Gefahrene Strecke: 30 km
Übernachtung: Dvergsnestangen Senter (275 NOK)
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