Unsere Wohnmobilreise durch Südnorwegen




7. Tag: Kristiansand – Byglandsfjord

Die Nacht war kalt, sehr kalt. Also schlossen wir irgendwann die Dachluke und wachten gegen 9 Uhr wegen Mangel an Frischluft mit Kopfschmerzen auf. Mit dem Kaffee verflogen die Kopfschmerzen allmählich. Wir packten zusammen, Andreas leerte zum ersten Mal die Toilette und gegen 11:15 Uhr verließen wir den Campingplatz. Im nahe gelegenen ICA-Supermarkt füllten wir anschließend unsere Vorräte auf und fuhren dann auf der E18 in Richtung Arendal. Die Straße führte abwechselnd durch Waldstücke mit zahlreichen Tunneln, dann wieder am Ufer mit Blick auf wunderschöne Buchten und Schären entlang. In Lillesand wollten wir einen kurzen Stopp machen. Der Ort liegt malerisch an der Küste und hat einen sehr sehenswerten Schärengürtel. Aber der erste schöne Parkplatz am Hafen mit Tisch und Bänken war leider schon besetzt und trotz etlicher Anstrengungen gelang es uns nicht, unser Wohnmobil in einer noch freien PKW-Parklücke unterzubringen. Ein Stück weiter war dann ein großer Stellplatz am Bootsanleger, der aber nicht wirklich anheimelnd aussah und leider auch keine Sitzmöglichkeiten für ein Mittagessen am Hafen bot. Also entschieden wir uns schweren Herzens zur Weiterfahrt und warfen nur im Vorbeifahren den einen oder anderen Blick auf die weißen Häuschen und einige einladende Straßencafés. Wir schauten in die Karte und mussten uns entscheiden, ob wir der E18 bis Arendal folgen und dann auf der E42 weiter nach Evje fahren oder eine der kleineren Straßen von Lillesand oder Grimstad direkt nach Nordwesten nehmen sollten. Da die bisherige Strecke zeitweise schon recht schmal war und nur selten die gestatteten 80km/h wirklich zuließ, verzichteten wir auf noch kleinere Straßen und entschieden uns für die zeitlich sicher günstigere Route über Arendal.

Etwa auf halbem Weg nach Grimstad passierten wir eine Mautstation, wo wir 25NOK am Kassenhäuschen bezahlten. Grimstad selbst liessen wir links (respektive rechts) liegen, uns war eher nach Strand als nach einem weiteren Stadtbesuch zumute. Daher bogen wir auf die RV420 ab und folgten der schmalen Straße bis zum Mřysand Familiencamping, wo wir gegen 14 Uhr unser Wohnmobil abstellten und Nudeln kochten. Der Campingplatz liegt direkt an einem der -laut unserem Reiseführer- schönsten Strände Südnorwegens und so spazierten wir nach dem Mittagessen eine Weile durch den Sand und genossen die Sonne. Wir sammelten Muscheln, fanden dabei auch einige Münzen im Sand und legten dann ein Muschelbild im Sand.

     
   
       

Gegen 16:45 Uhr mussten wir uns aber losreißen, denn wir hatten noch ein Stück Weg vor uns. Wir folgten der E18 bis Arendal und wechselten dort auf die RV42 nach Evje. Die Straße verließ nun die Küste und die Landschaft änderte sich. Es ging stetig bergan und statt der malerischen Buchten und Schären gab es nun nicht minder sehenswerte kleine Seen, oft auch mit winzigen Inselchen darin. Trotz der vorgerückten Stunde genossen wir die Fahrt und machten immer wieder Fotos von der wunderschönen Landschaft, die ständig neue, tolle Ausblicke bot. Plötzlich standen wir vor einem Baustellenschild. Die RV 42 war zwischen Svenes und Vegusdal gesperrt und die Umleitung führte in Richtung Süden. Da wir bei der Entscheidung für eine Route die Karte ausführlich studiert hatten, war uns klar, dass es in diese Richtung keine wirklich günstige Alternativstrecke gab und uns sicher ein längerer Umweg bevorstand. Tatsächlich wurden wir auf die RV41 nach Herefoss und die RV406/405 über Sennumstad umgeleitet, was in Summe ca. 40km Umweg und eine geschlagene Stunde Zeitverlust bedeutete! Unsere Laune verfinsterte sich, genau wie das Wetter auch. Es zogen dunkle Wolken auf und zeitweise gab es kräftige Schauer. Dazu kam noch, dass die kurvenreiche Straße zum Teil sehr schmal war, daher war bei Gegenverkehr entsprechend Fingerspitzengefühl gefragt. Doreen beherrschte unser Gefährt jedoch mit schlafwandlerischer Sicherheit und meisterte souverän so manches Ausweichmanöver. Da diese zusätzlichen Kilometer in unserer Planung nicht enthalten waren, neigte sich die Tanknadel zu allem Überfluss auch noch bedrohlich dem E und wir waren froh, in Herefoss eine kleine Tankstelle mit Shop zu finden. Hier konnte Andreas nun endlich erfolgreich seine Norwegisch-Grundkenntnisse anwenden und wir gönnten uns neben der Tankfüllung für´s Wohnmobil gleich noch zwei Becher Coffee-to-go. Bei der Weiterfahrt kam dann immer genau zu dem Zeitpunkt der Verkehr entgegen, wenn Doreen gerade nach ihrem Kaffeebecher greifen wollte. Dadurch war diese Fahrt recht zermürbend. Die Temperatur sank auf etwa 10°C und hin und wieder regnete es.

Als wir endlich wieder die RV42 erreicht hatten, begann sich unsere Stimmung zu bessern und sogleich hörte auch der Regen auf. Bei Evje bogen wir auf die RV9 in Richtung Haukeli ab. Die Straße folgte dem steinigen Bett des Otra-Flusses, der hier ein tiefes Tal in den Fels gegraben hat. Kurz vor Byglandsfjord fanden wir einen wunderschön gelegenen Rastplatz an einem Wasserfall im Fluss. Wir nutzten die Gelegenheit zu einer kurzen Pause, aßen die Donuts, die wir heute Morgen im ICA gekauft hatten und schossen einige Fotos.

     

Da es hier aber bereits wieder empfindlich kalt war, brachen wir schon bald wieder auf und fuhren noch ein kleines Stück bis zum Neset Camping in Byglandsfjord. Dieser Platz lag traumhaft schön auf einer Halbinsel im Fjord (der eigentlich gar kein Fjord, sondern ein Fluss ist), überall gab es Tiere: Kaninchen hoppelten über den ganzen Platz, am Ufer schwammen Enten mit ihrem Nachwuchs… es war einfach nur schön. Dazu schien auch wieder die Sonne, so dass wir nun wieder wunschlos glücklich waren und das Panorama in vollen Zügen genießen konnten. Das Panorama erinnerte uns ein wenig an Waterton in Alberta und auch ein weiteres Ereignis am nächsten Tag sollte uns noch an unseren Aufenthalt dort vor vier Jahren zurückdenken lassen…

     

Nachdem wir uns einen schönen Platz für unser Wohnmobil gesucht hatten, bestellten wir im Shop noch Brötchen für den nächsten Morgen und gingen anschließend auf den Spielplatz. Auch hier gab es wieder ein großes Hopsefeld, so dass sich die Kinder nach der durch die Umleitung zusätzlich verlängerten Fahrt endlich wieder austoben konnten. Nebenbei hörten wir die Ergebnisse der heutigen Fußball-EM-Spiele: Deutschland hatte überraschend gegen Kroatien verloren und musste nun sogar um den Einzug ins Viertelfinale bangen…

     

Gegen 21 Uhr verzogen wir uns in das Wohnmobil zum Abendbrot. Dabei stellten wir fest, dass uns langsam das Wasser auszugehen drohte. Wir sollten am nächsten Tag vor der Abfahrt also unbedingt den Tank wieder füllen. Nachdem die Kinder im Bett waren, haben auch wir keine großen Sprünge mehr gemacht. Die lange Fahrt hatte uns ziemlich geschafft. Andreas schrieb noch rasch den Tagesbericht und um 23:30 Uhr waren wir im Bett und schliefen rasch ein.


Gefahrene Strecke: 185 km
Übernachtung: Neset Camping (235 NOK)




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