9. Tag: Valle – Odda
Die Nacht war unglaublich kalt und wir haben trotz Zudecke und Jogginganzug ziemlich gefroren; unser Stellplatznachbar erzählte sogar etwas von nur 2°C.
Um 9:30 Uhr krabbelten wir schließlich doch unter den Decken hervor. Draußen war schönes Wetter und im Licht der wärmenden Sonnenstrahlen ließ es sich besser aushalten als im kalten Wohnmobil. Also räumten wir Tisch und Stühle wieder raus und frühstückten im Sonnenschein. Anschließend packten wir zusammen und warfen noch einen Blick in die Rezeption, um nach Möglichkeiten zum nachträglichen Bezahlen der Maut zu fragen. Leider war dort jedoch niemand anzutreffen und so verschoben wir die Klärung ein weiteres Mal.
Wir leerten noch den Abwassertank des Wohnmobils und verließen gegen 12 Uhr schließlich den Zeltplatz. Die Straße stieg nun stetig an und in der Ferne konnte man einzelne Schneefelder auf den Berghängen erkennen.
Den ersten Stopp legten wir in Bykle ein. Direkt an der Straße steht hier gegenüber dem modernen Kirchenneubau eine kleine weiße Holzkirche, die vor allem wegen ihrer Rosenmalereien im Inneren berühmt ist. Eine junge, in Tracht gekleidete Frau empfing hier die Besucher am Eingang und erzählte bereitwillig über die Geschichte der Kirche, des Ortes und seiner Bewohner.
Anschließend fuhren wir weiter und erreichen gegen 13:30 Uhr den Wintersportort Hovden. Schon von weitem kann man hier die Skipisten und Liftanlagen am Berg erkennen, die im Winter sicher eine Menge Besucher anziehen. Da die Saison aber gerade vorbei war, ging es vergleichsweise ruhig im Ort zu. Wir nutzen die Gelegenheit zu einem Einkauf im KIWI Markt, der uns von Angebot und Leistung jedoch nicht so überzeugte. Daher wechselten wir auf die andere Straßenseite zum ICA und vervollständigten dort unsere Vorräte, bevor wir unsere Fahrt fortsetzten.
Nach einer Weile hatte die Steigung ein Ende und wir fanden uns auf einem Hochplateau mit zahlreichen Schneefeldern wieder, der Hardangervidda. Die Vegetation war hier weitaus spärlicher und die gesamte Landschaft wirkte karg, jedoch keinesfalls langweilig. Der Himmel hatte sich zugezogen und von Osten her zogen Schneeschauer herüber, was dem Landschaftsbild eine zusätzliche Dramatik gab. Da es bereits 14:30 Uhr war, hielten wir an einem kleinen Rastplatz, machten Mittagspause und kochten uns anschließend noch einen Kaffee.
Während der Weiterfahrt sahen Lisa und Vincent einige Eisbär-Geschichten von DVD, während wir die Ausblicke auf die sich ständig ändernde Landschaft genossen und ein um das andere Mal einen kurzen Fotostopp einlegten. An einem Schneefeld nahe der Straße hielten wir an und machten einen kleinen Spaziergang. Die Abwechslung tat gut und auch die Sonne war uns wohl gesonnen und lugte kurz hinter der Wolkendecke hervor.
Dann ging es weiter durch einige Tunnel und spektakuläre Serpentinen hinab ins Tal. Bei Haukeligrend wechselten wir auf die E134 in Richtung Haugesund. Die Straße folgte zunächst dem Verlauf des Tals und führte später durch unzählige Tunnel und an noch gefrorenen Seen vorbei durch die schneebedeckte Landschaft. Nach Røldal hinab ging es wieder in steilen Serpentinen und durch zwei Kehrtunnel ins Tal. Wir hielten kurz im Ort, um die sehenswerte Stabkirche vor der spektakulären Bergkulisse zu besichtigen.
Anschließend fuhren wir weiter nach Jøsendal und zweigten dort auf die RV13 nach Odda ab. Die Fahrt ging entlang eines recht großen Baches und in der Ferne konnte man ab und zu schon erste Ausläufer des Folgefonn-Gletschers sehen. Wir blätterten bereits im Campingführer, um einen Platz für die Nacht herauszusuchen, als plötzlich ein Schild am Straßenrand den Latefoss ankündigte. Dieser gilt als einer der schönsten Wasserfälle Norwegens und wir hatten gar nicht mehr daran gedacht, dass er auf unserer heutigen Route lag. Kurz darauf tauchte linker Hand ein großer Wasserfall auf, dessen Gischt bis über die Straße zu unserem Wohnmobil wehte. Andreas packte die Foto- und Video-Ausrüstung aus und nutzte das dämmrige Licht für einige Langzeitbelichtungen mit dem Stativ. Da die Kinder zu quengeln begannen, fuhren wir rasch weiter, bis auf einmal der zweiarmige Latefoss rechts der Straße auftauchte. Da half kein Meckern und Lamentieren, wir machten nochmals einen kurzen Foto- und Videostopp.
Danach fuhren wir aber ohne weitere Verzögerung nach Odda. Unterwegs sahen wir noch einige weitere, schöne Wasserfälle und kurz vor Ankunft bot sich ein toller Blick auf das Gletschermassiv auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses.
Gegen 19:30 Uhr erreichten wir endlich Odda und fuhren zum schon recht gut gefüllten Campingplatz. Wir bekamen noch einen schönen Stellplatz am Bach, aber leider war kein Stromanschluss mehr verfügbar. Was uns aber noch weniger gefiel war, dass dieser Platz der bisher erste war, auf dem es keinen Spielplatz gab. Nach der langen Fahrt war das natürlich besonders schade, aber die Kinder trösteten sich beim Herumpatschen in den Regenpfützen. Vincent bespritzte sich dabei total und Lisa fiel schließlich sogar ganz hinein, also mussten sie sich vor dem Abendbrot noch einmal umziehen. Wir fragten dann noch an der Rezeption nach einer Möglichkeit, die vorgestern geprellte Maut nachzubezahlen und erfuhren, dass man dies an allen ESSO (und eventuell auch anderen großen Tankstellen) nachholen könnte.
Nach dem Abendbrot brachte Doreen die völlig übermüdete Lisa ganz schnell ins Bett, während Vincent noch eine Weile las und Andreas Reisebericht schrieb. Da Vincent nicht so recht einschlafen konnte, spielten wir mit ihm noch eine Runde Labyrinth, um 23:30 Uhr war dann aber wirklich für alle Schlafenszeit.
Gefahrene Strecke: 170 km
Übernachtung: Odda Camping (290 NOK – 40 NOK da kein Stromanschluß)
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