12. Tag: Bergen
Heute wollten wir Bergen erkunden. Unser Reiseführer betitelte es als „Stadt im Regen“, da es statistisch wirklich nur wenige Sonnentage im Jahr hier gibt. Vincent hatte das gelesen und daher von vornherein eigentlich keine Lust, diese Stadt zu besuchen. Je mehr wir uns nun in den letzten Tagen Bergen näherten, desto häufiger wurden die Niederschläge, was uns schon etwas skeptisch auf den heutigen Tag blicken ließ.
Der Wecker riss uns erneut um 7:30 Uhr aus dem Schlaf, es dauerte aber doch bis 8:15 Uhr, bis wir aus den Federn kamen. Wir frühstückten in aller Ruhe und packten anschließend einen Rucksack für den Stadtbummel in Bergen. Beim darauf folgenden Abwaschen des Geschirrs stellte sich heraus, dass unser Wassertank gähnend leer war. Also musste schnell Nachschub her und so füllte Andreas fünf Kannen á zehn Liter ein. Dann brach auf einmal Hektik aus: Der Bus nach Bergen fuhr Punkt 11 Uhr, Doreen musste noch mal auf die Toilette, die Kinder waren auch noch nicht angezogen und es ging schon auf 10:30 Uhr zu. Drei Minuten vor 11 Uhr brachen wir endlich auf und sahen den Bus gerade noch an der Haltestelle vorbeifahren; wenn jemand ein- oder ausgestiegen wäre, hätten wir ihn vielleicht noch bekommen… Entsprechend sank unsere Stimmung und beim Blick auf den Fahrplan wurde die Laune gleich noch schlechter: Bis 11 Uhr fuhr der Bus alle halbe Stunde, über Mittag jedoch nur stündlich. Das bedeutete, dass wir jetzt eine ganze Stunde verbummeln mussten. Wir warteten weitere fünf Minuten in der Hoffnung, dass es ja doch nicht unser Bus war, den wir davonfahren gesehen hatten. Dann beschlossen wir, das Beste aus der Sache zu machen und nutzten die Zeit, um beim Bäcker Brötchen für das morgige Frühstück zu kaufen. Anschließend bummelten wir etwas durch den nebenan befindlichen SPAR-Markt und brachten unsere Einkäufe ins Wohnmobil. Andreas ging mit Lisa und Vincent noch mal zu den Tiergehegen und fütterte dort den Ziegenbock. Gegen 11:45 Uhr liefen wir allmählich zur Bushaltestelle, um nicht noch einmal zu spät zu kommen. Punkt 12 Uhr kam der Bus Nr. 900, mit dem wir bis Nesttun fuhren und dort in die Nr. 24 umstiegen. Dieser brachte uns schließlich ins Zentrum von Bergen. Wir stiegen am Torget aus und gingen zunächst auf den Fischmarkt. Hier herrschte geschäftiges Treiben und es gab eine Riesenauswahl an Obst, Snacks, Souvenirs und natürlich Fisch.
Vincent wollte schon seit einigen Tagen Kirschen haben, die im Supermarkt jedoch stets unglaublich teuer waren (bis zu 150 NOK pro Kilo!). Hier sollte das Pfund lediglich 39 NOK (immer noch etwa 4,90 €) kosten, also schlugen wir zu und erkundeten dann weiter den Markt. Da es inzwischen nach 13 Uhr war, entschieden wir uns, gleich hier Mittag zu essen. Vincent hatte Appetit auf einen Hot Dog mit Rentierwurst, während wir uns jeweils für eine Mixed Seafood Platte mit Chips entschieden. Doreen bekam vom Fischfilet aber nur die Panade, den Rest verputzte Lisa mit sichtlichem Appetit.
Gut gesättigt bummelten wir am Hafen entlang und sahen uns das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Bryggen an.
Vincent entdeckte eine Bimmelbahn, mit der man zu jeder vollen Stunde eine Stadtrundfahrt machen konnte und wollte natürlich unbedingt mitfahren. Wir überlegten, ob uns das 120 NOK pro Person wert ist und vertrösteten unseren Sohn auf die nächste Abfahrt. Unterdessen liefen wir in Richtung Harkonshalle, dann zur Marienkyrkje und schließlich durch Gamle Bergen.
Hier wurden einige alte Häuser der Stadt, die anderswo neuen Bauten weichen mussten, konzentriert wieder aufgebaut und liebevoll wieder hergerichtet. Es gibt Kunsthandwerke, Galerien und Souvenirläden und das Ganze ist wirklich sehenswert. In einer der Galerien fand Vincent ein wirklich schönes Modell der Fløyenbahn, welches aber 170 NOK kosten sollte. Das empfanden wir als Andenken für ein Kind jedoch zu teuer. Daher schlugen wir vorerst einen Preisvergleich vor und drängten dann zur Rückkehr zum Hafen, um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Dort führte dann aber kein Weg mehr an der Stadtrundfahrt vorbei, mit einem Familienticket für 240 NOK kamen wir aber recht günstig weg. Die in einem Wagen sogar deutschsprachige Fahrt war wirklich interessant, führte während etwa 55 Minuten durch viele sehenswerte Viertel der Stadt mit einem Halt auf halber Höhe des Fløyen, von wo aus man bereits einen tollen Blick über die Stadt hatte. Insofern war das Geld gut investiert und Vincent hatte auch seinen Willen bekommen.
Anschließend schlenderten wir durch das Zentrum, stockten an einem Bankautomaten unseren, in dieser Stadt schnell schwindenden, Bargeldvorrat wieder auf und lenkten unsere Schritte dann zur Talstation der Fløyenbahn.
Hier lösten wir eine Berg- und Talfahrt und um 17 Uhr fuhren wir mit dem blauen Waggon nach oben. Das brachte uns die nächste Diskussion mit Vincent ein, der viel lieber mit dem roten Waggon gefahren wäre. Dazu kam, dass mit uns eine Busladung Japaner in die Bahn einstieg, die sich lautstark unterhielten, natürlich ständig fotografierten und dabei keinerlei Rücksicht auf andere Fahrgäste oder gar unsere im Buggy sitzende, zu Recht genervte, Lisa nahmen. Oben angekommen entschädigte uns jedoch ein grandioser Ausblick und die Kinder konnten sich die Zeit auf einem hübsch angelegten Spielplatz vertreiben.
Im Souvenirshop schauten wir, ob es hier vielleicht ein ähnliches Modell der Bahn preiswerter als in der Galerie in Gamle Bergen gäbe, was sich aber leider als Fehlanzeige herausstellte. Vincent kaufte dafür eine Ansichtskarte der Bahn, die er an Oma und Opa in Pirna schicken wollte. Wir wechselten uns mit dem Beaufsichtigen der Kinder auf dem Spielplatz ab, genossen das tolle Panorama und machten entsprechend eine Menge Foto- und Videoaufnahmen. Für die Talfahrt warteten wir extra auf den roten Waggon und somit waren alle wieder bei bester Laune. Zurück im Stadtzentrum suchten wir uns zunächst ein Café, wo wir ein Weilchen saßen und uns ausruhten. Dann durchstöberten wir noch eine Reihe Souvenirshops nach einem Modell der Fløyenbahn, wurden aber nirgends fündig. Also liefen wir nochmals nach Gamle Bergen in die Galerie und nach einigem Hin und Her gaben wir schließlich nach und kauften die Bahn, die sich immerhin als echte Handarbeit entpuppte.
Nachdem nun auch der letzte Wunsch befriedigt und die Zeit schon recht weit fortgeschritten war, bummelten wir allmählich zurück zum Torget. Am Fischmarkt gönnten wir uns noch ein Eis und sahen den Händlern beim Zusammenpacken ihrer Stände zu. Lisa kostete wieder kräftig bei Doreens Tiramisu-Eis und als Vincent sein Vanilleeis nicht ganz schaffte, verputzte sie diesen Rest auch noch mit! Offensichtlich sollten wir unsere Tochter in Zukunft stets als vollwertigen Esser mit einplanen…
Beim Blättern in den Besichtigungs-Tipps zu Bergen fiel uns anschließend noch eine supermoderne Einkaufsgalerie auf, deren Lage wir vom Fløyen aus bereits ausmachen konnten.
Also bummelten wir auf dem Weg zur Bushaltestelle durch die ´Galleriet´, spazierten danach an der Fontaine vor der Kunstgalerie vorbei und sahen dabei einen Bus Nr. 24 vorbei fahren. Da wir aber auch die Linien 20 – 23 nach Nesttun nutzen konnten, machten wir uns darüber keine Gedanken und warteten einfach auf den nächsten Bus. Nach einigen Minuten kam bereits die Nr. 21 und um 19:43 Uhr waren wir in Nesttun. Beim Blick auf den Fahrplan der Linie 900 nach Haukeland mussten wir aber feststellen, dass gerade um 19:40 Uhr ein Bus abgefahren war und wir wieder eine Stunde auf den Nächsten warten mussten. Kurz überlegten wir, in einer Pizzeria in der Nähe zu essen, um die Zeit zu nutzen. Aber letztlich schien uns die Zeit dafür doch zu knapp und wir wollten nicht noch einen Bus verpassen. Also liefen wir nur durch den gegenüber der Bushaltestelle liegenden MENY-Markt, wo wir eine Spielecke fanden, in der die Kinder die Zeit überbrücken konnten. Am Ende war es sogar recht schwierig, sie rechtzeitig von den Spielsachen loszueisen, wir schafften es aber rechtzeitig zur Haltestelle und fuhren zurück zum Campingplatz. Während der Fahrt sahen wir bereits, wie sich der Himmel mehr und mehr mit Wolken zuzog und pünktlich bei Ankunft an unserem Wohnmobil regnete es die ersten Tropfen. Wir machten ein schnelles Abendbrot im Wohnmobil, Lisa war sehr müde und ging danach sofort freiwillig ins Bett. Draußen regnete es sich allmählich ein. Während Vincent eine Thomas-Geschichte von DVD schaute und dabei Kirschen aß, tippte Andreas ein wenig am Reisebericht: Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück heute, mehr Glück jedenfalls, als mit den Bussen…
Gegen 23:30 Uhr machten wir wieder das Licht aus.
Gefahrene Strecke: 0 km
Übernachtung: Lone Camping Haukeland (245 NOK)
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