Unsere Wohnmobilreise durch Südnorwegen




16. Tag: Fjærland - Gaupne

Heute war mal wieder ausschlafen angesagt. Wir standen erst kurz vor 9 Uhr auf und frühstückten in aller Ruhe. Das Wetter hatte sich in keiner Weise verbessert, es regnete nach wie vor. Vincent ließ sich davon aber nicht beeindrucken, ging trotz des Regens bis zur Abfahrt auf den Spielplatz und sammelte einige Steine.

Gegen 11 Uhr verließen wir schließlich den Zeltplatz und fuhren das kurze Stück zum Norsk Breenmuseum hinüber. Als wir das Museum betraten, begann gerade ein Film über die Gletscherzungen des Jostedalsbreen und wir setzten uns mit in den Saal. Auf der gewölbten Leinwand sahen die Bilder von Expeditionen und Hubschrauberflügen natürlich besonders beeindruckend aus, für die Kinder waren sie aber doch ein wenig zu gewaltig und so verließen wir die Vorführung vorzeitig und sahen uns ausgiebig das sehr interessant gestaltete Museum an. Es gab eine Menge über die Entstehung von Gletschern sowie die Eigenschaften von Eis und Wasser zu erfahren. Für die Kinder gab es viele Exponate zum Ausprobieren und Untersuchen, was natürlich besonders Spaß machte. So konnte man zum Beispiel an einer Handpresse selbst herausfinden, wie sich Eis unter hohem Druck verhält, die schmirgelnde Wirkung von Eis und Geröll auf anderem Gestein untersuchen, Aufbau und Funktionsweise eines Gletscherkraftwerkes betrachten und sogar durch eine nachgestaltete Gletscherspalte laufen. Für die Erwachsenen war unter anderem der Vergleich von Alter und Größe des Sognefjordes gegenüber dem Grand Canyon in den USA interessant… Zum Abschluss stiegen wir noch auf das Dach des Museums, von wo aus man eigentlich einen guten Blick auf viele umliegende Berge haben sollte, die anhand einiger Tafeln näher erläutert wurden. Leider hingen die Wolken aber so tief im Tal, dass man von der tollen Umgebung gar nicht viel sehen konnte.

     

Dafür entdeckten wir ein sehr munteres, schwarz weiß gefiedertes Vogelpärchen mit roten Schnäbeln, das offensichtlich auf dem Dach ihr Nest hatte und daher wegen unserer Anwesenheit hier sehr aufgeregt war. Nach einiger Zeit sahen wir auch ein oder zwei wollige Küken über das begrünte Dach huschen, ihre Tarnung war jedoch so gut, dass wir sie bald wieder aus den Augen verloren.

Um 12 Uhr rissen wir uns endlich los, schließlich wollten wir einige Gletscherzungen heute noch im Original mit eigenen Augen sehen. Zunächst fuhren wir zum Bøyabreen und hielten kurz vor dem offiziellen Parkplatz. Das Wetter hatte bisher leider kein Einsehen mit uns und so beschlossen wir, die in Kanada bewährte Taktik zu wiederholen und erst einmal Mittagessen zu kochen. Während Lisa schlief und Doreen das Wasser für die Reisnudeln aufsetzte, erkundeten Vincent und Andreas schon mal den Weg zum Gletschersee, machten einige Foto und Filmaufnahmen und warfen Steine ins Wasser.

     
   
       

Als die zwei zurück zum Wohnmobil kamen, war das Essen bereits fertig und Lisa wieder wach. Leider besserte sich das Wetter während des Essens nicht und die Aussicht wurde auch nicht besser. Vincent ging noch einmal kurz mit Doreen zum Gletschersee, während Andreas mit Lisa spielte und Kaffee ansetzte. Die beiden kamen aber recht bald zurück, weil der Regen wieder stärker wurde. Also fuhren wir wieder zurück in Richtung Fjærland, machten unterwegs aber noch einen kurzen Abstecher zum Supphellebreen.

Die Straße wurde zusehends schmaler und nachdem wir einen Bauernhof passiert hatten wurde sie sogar unbefestigt. Wir hatten kurz Zweifel, ob wir diesen Pfad bei dem Regen mit unserem riesigen Gefährt wirklich weiterfahren sollten. Aber nach wenigen Minuten hatten wir bereits das Ende der Strecke mitten im Wald erreicht. Hier gab es Parkmöglichkeiten für vier, maximal fünf Autos und da hier bereits zwei andere Fahrzeuge standen, stellten wir uns dazu. Zuerst zog Andreas allein mit Fotoapparat und Videokamera los. Der Weg führte an einem Bach entlang und kurz nach einer Biegung konnte man oberhalb eines kleinen Sees die Eismassen zwischen dem Felsmassiv und den Wolken hervorlugen sehen.

     

Leider zog der Dunst aber immer weiter herab, so dass sich die Sicht mehr und mehr verschlechterte. Also kehrte Andreas rasch zum Wohnmobil zurück und nachdem auch Doreen noch einen kurzen Blick auf den wolkenverhangenen Gletscher geworfen hatten, kehrten wir zur Hauptstraße zurück. Wir zahlten an der Mautstation in Fjærland nochmals 175 NOK und fuhren wieder nach Sogndal. Als wir den Bergetunnel passiert hatten, ließ der Regen allmählich nach; später kamen sogar vereinzelt sonnige Abschnitte dazu. Lisa war inzwischen wieder eingeschlafen, daher ging Doreen in Sogndal rasch allein in den Supermarkt, um Milch, Brot und andere Dinge des täglichen Bedarfs zu besorgen. Es folgte noch ein kurzer Tankstopp, bevor es auf der E5 weiter in Richtung Gaupne ging.

       

Dort bogen wir auf die RV55 ab, eine 36km lange, sehr schmale und kurvige Straße mit vielen Tunneln, die immer im Tal des Gletscherbaches entlang zum Nigardbreen, einer weiteren Gletscherzunge des Jostedalsbreen, führt. Den Regen hatten wir offensichtlich auf der anderen Seite des Berges gelassen. Zeitweise kam sogar die Sonne heraus und tauchte die Landschaft mit wieder einmal vielen Wasserfällen in ein phantastisches, goldenes Licht. Gegen 17:40 Uhr kamen wir am Visitorcenter an, welches jedoch bereits geschlossen war. Das Kassenhäuschen für die Privatstraße bis zum Gletschersee war jedoch noch besetzt und so zahlten wir rasch die 25 NOK und fuhren die letzten Kilometer bis zum Parkplatz. Dort bot sich uns ein phantastischer Blick auf die riesige, sich zu Tal schlängelnde Gletscherzunge des Nigardbreen.

     

Wir zogen uns flugs an und liefen zur Anlegestelle des Bootes, mit dem man den Gletschersee überqueren kann, um direkt zum Gletschermund zu gelangen. Hier machte gerade das letzte Boot des Tages wieder fest. Auf unsere Frage hin wurden wir auf den nächsten Morgen ab 10 Uhr verwiesen, alternativ gäbe es auch einen Wanderweg um den Gletschersee herum, der jedoch nicht ganz einfach und mit Kindern auch nicht zu empfehlen sei. Wir waren ein wenig enttäuscht und begannen daraufhin, die ersten Meter des Weges zu laufen. Nach dem Überwinden der ersten Hindernisse in Form einiger gewaltiger Felsbrocken mussten wir jedoch einsehen, dass es ohne Tragekraxe für Lisa und vernünftiges Schuhwerk für uns aussichtslos und unvernünftig war und kehrten deshalb um. Zurück am Wohnmobil griff sich Andreas das Teleobjektiv, um zumindest aus der Ferne noch einige Aufnahmen der eindeutig beeindruckendsten der heute besuchten drei Geltscherzungen zu bekommen. Entsprechend machten wir noch eine Reihe Film- und Fotostopps auf dem Rückweg zum Visitorcenter und beschlossen dann, am nächsten Tag nicht noch einmal zurückzukommen.

     

Die Fahrt über die schmale Straße hinauf und wieder zurück sowie die Bootsfahrt würden zusammen einfach zu viel Zeit beanspruchen und für Lisa und Vincent wäre das ein weiteres Mal sicher auch zu langweilig. Wir machten eine kurze Snackpause und fuhren anschließend zurück nach Gaupne, doch bereits nach der ersten Rechtskurve mussten wir bereits wieder anhalten. Wie schon am Abfahrtstag in Leipzig hatten wir vergessen, den Besteckkasten zu verriegeln und so war dieser mit lautem Poltern und Rasseln wieder einmal im Gang gelandet. Als wir endlich alles wieder aufgesammelt und verstaut hatten, fuhren wir ohne weitere Zwischenfälle nach Gaupne, wo wir um 19:45 Uhr auf dem Sandvik Camping eincheckten.

Der Platz war wunderschön terrassenförmig angelegt und bot einen tollen Blick auf die umliegenden Felsen. Für die Kinder gab es auf dem Spielplatz unter anderem ein Trampolin, so dass sie endlich wieder hopsen konnten. Das war genau das Richtige nach dem langen Tag im Wohnmobil und so ging Doreen mit Lisa und Vincent spielen, während Andreas noch die Markise aufbaute und das Stromkabel vom Verteiler zum Wohnmobil zog. Anschließend erkundeten wir gemeinsam den Spielplatz, probierten auch die Rutsche, den Sandkasten sowie weitere Schaukeltiere aus und unterhielten uns eine Weile mit einem Schweizer, den wir bereits auf dem Zeltplatz in Haukeland und auf dem Fischmarkt in Bergen getroffen hatten.

Gegen 21:45 Uhr aßen wir Abendbrot, anschließend brachte Doreen Lisa ins Bett und Vincent tippte auf Papas Handheld-Computer seine Reiseerinnerungen. Danach spielten wir zu dritt noch eine Weile Labyrinth und UNO. Um zehn Minuten vor Mitternacht gingen wir nach draußen, denn wir wollten zusammen noch ein wenig die Mitsommernacht feiern. Wir setzten uns draußen an den Tisch, öffneten eine Flasche Wein und genossen die Ruhe und das dämmrige Licht.

     

Nach einigen Foto- und Videoaufnahmen, bei denen wir eine Menge Spaß hatten, huschten wir wieder ins Wohnmobil und brachten Vincent ins Bett. Andreas tippte noch den Bericht des heutigen Tages, dann leerten wir den Wein und legten uns schließlich gegen 1 Uhr auch zur Ruhe.


Gefahrene Strecke: 165 km
Übernachtung: Sandvik Camping Gaupne (175 NOK)




  [zurück]   [zur Übersicht]   [weiter]