17. Tag: Gaupne – Lom
Nach dem langen Abend gestern wollten wir den Tag heute ganz ruhig angehen. Lisa war als erste wach und nachdem sie uns mehr oder weniger lautstark geweckt hatte, brachte sie Andreas zum Kuscheln mit in den Alkoven. Vincent wagte sich schließlich als erster raus und weil das Wetter wieder freundlich war, kam er von der Toilette gar nicht auf direktem Wege zum Wohnmobil zurück, sondern ging erst mal zum Hopsen auf das Trampolin. Gegen 10 Uhr frühstückten wir bei schönstem Sonnenschein draußen vor dem Wohnmobil. Dafür holten wir extra vom nicht belegten Nachbarplatz die Tisch-Bank-Kombination, an der wir schon gestern Abend mit unserem Wein gesessen hatten. Anschließend gingen Lisa und Vincent wieder hüpfen, während Doreen das Wohnmobil aufräumte und Andreas wieder einmal den Fäkalientank leerte. Um 11:30 Uhr waren wir schließlich abfahrbereit.
Die Fahrt ging auf schmaler Straße immer am Fjord entlang bis nach Skjolden.
Den Abzweig nach Urnes zur dortigen Stabkirche ließen wir rechts liegen und folgten der Straße, die nun den Fjord verließ und sich spektakulär in engen Kehren den Berg hinauf bis auf 1400 m Höhe schraubte. Dabei gab es natürlich auch immer wieder Wasserfälle zu sehen und mehr als einmal hielten wir an, um das beeindruckende Panorama zu genießen. Kurz nach dem Höhenmarker 1100 m machten wir auf einem Parkplatz Mittagspause und bestaunten die umliegenden, bis zu 2400 m hohen, schneebedeckten Gipfel. Auch den bisherigen Verlauf der Serpentinenstraße konnte man von hier aus sehr gut sehen und wir wunderten uns, dass für diese Route bisher keine Maut fällig gewesen war.
Nach dem Mittagessen und einer Tasse Kaffee fuhren wir weiter über den Sognefjellpass und erreichten den Jotunheimen Nasjonal Park. Hier oben auf dem Hochplateau des Sognefjellet lag zum Teil noch reichlich Schnee und in der Ferne konnten wir noch mehr schneebedeckte Gipfel emporragen sehen. Völlig verblüfft waren wir aber, als wir an gut besuchten Skiloipen vorbei fuhren. Damit hatten wir Mitte Juni überhaupt nicht gerechnet! Anschließend erwarteten uns weitere Serpentinen, die wieder talwärts führten.
An der Sognefjellshytter wollten wir noch einmal rasten und einen Fotostopp einlegen, aber ein plötzlicher Wetterumschwung bewegte uns doch zur unverzüglichen Weiterfahrt. Wir retteten uns ins Tal und hielten kurz am Elveseter-Hotel. Das Wahrzeichen dieses, 25 Kilometer vor Lom gelegenen, Anwesens ist die 32 Meter hohe Sagasäule, auf der Szenen aus der Geschichte Norwegens von der Wikingerzeit bis zur Unabhängigkeit im Jahre 1814 dargestellt sind. Doch das Wetter hatte uns rasch eingeholt und so fuhren wir weiter bis nach Lom, wo wir gegen 17 Uhr eintrafen.
Der Ortskern ist sehr schön, alle Häuser sind holzverkleidet und in dunklem Braun gehalten. Wir drehten eine kleine Runde durch das Zentrum, aber da Sonntag war, hatten alle Läden geschlossen. Trotzdem war ein Großteil der Parkplätze belegt und eine Menge Leute flanierten auf der Straße. Den Grund für das geschäftige Treiben hatten wir bald herausgefunden: Neben der berühmten Stabkirche war heute Jahrmarkt, was natürlich viele Touristen und Einheimische anzog. Leider wurden dort aber bereits die ersten Buden abgebaut und schon bald darauf war auch der Regen angekommen, was uns dazu bewog, zunächst den Zeltplatz zu suchen. Nach einer weiteren Ehrenrunde durch den Ort fanden wir schließlich das Nordal Turistcenter und die Rezeption des Zeltplatzes. Dort verwies ein Schild aber auf das daneben gelegene Hotel/Cafeteria. Andreas zog mit Camping Card und Kreditkarte los und kam erst nach schier endloser Zeit zurück zum Wohnmobil. An der Kasse der Cafeteria drängten sich nicht nur die Camper, sondern auch Hotelgäste und Besucher des Dinnerbuffets und entsprechend überfordert war das Personal. Auch preislich lag der Platz oberhalb von allem, was wir bisher gesehen hatten; schlug er doch mit immerhin 275 NOK zu Buche. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen und erkundeten anschließend die Lage des Spielplatzes und der sanitären Anlagen. Dabei entdeckten wir, dass sowohl die warmen Duschen als auch die hier verfügbare Sauna im Preis inklusive waren, was die Kosten letztlich wieder relativierte. Natürlich wollten wir die Sauna nun aber auch nutzen. Also beschlossen wir, die Kinder heute früh zu Bett zu bringen und einen entspannenden Wellness-Abend zu genießen.
Zunächst aber gingen wir zur nahe gelegenen Esso-Tankstelle, da uns sowohl Milch als auch Kaffee ausgegangen waren; Dinge, ohne die ein vernünftiges Frühstück jedoch undenkbar war. Auf dem Rückweg machten wir noch einmal Halt am Spielplatz, damit sich Lisa und Vincent vor dem Essen noch richtig austoben konnten. Nach einem verhältnismäßig frühen Abendbrot ging Andreas mit Vincent zum Zähneputzen, während Doreen schon mal Lisa ins Bett bringen wollte. Doch ausgerechnet an diesem Abend brauchte unsere Tochter ewig zum Einschlafen; als Andreas und Vincent wieder kamen, war bei Lisa noch keine Spur von Müdigkeit und sie schaukelte sich mit allerlei Faxen und Kasperei immer wieder hoch. Um 21:45 Uhr hatte sie es dann endlich geschafft. Vincent durfte sich noch eine DVD aussuchen, die er ansehen konnte, während wir in die Sauna gingen. Wir genossen die Entspannung und Ruhe, denn wir waren offenbar die einzigen Gäste, die dieses Angebot nutzten.
Als Andreas kurz vor 23 Uhr als erster zurück zum Wohnmobil kam, hörte er schon von weitem ein leises Wimmern. Vincents Film war bereits fünf Minuten zuvor zu Ende gewesen und entsprechend fühlte er sich allein und hatte Angst bekommen. Also haben wir ihn erst einmal getröstet, noch eine Weile mit ihm gesprochen und etwas getrunken, Danach schrieb Vincent noch eine Postkarte, während Andreas den Reisebericht für heute tippte. Gegen 0:15 gingen wir aber alle ins Bett und machten das Licht endgültig aus für heute.
Gefahrene Strecke: 110 km
Übernachtung: Nordal Turistcenter Lom (275NOK)
|